Bücher, wer möchte Bücher?

Da ist er auch schon wieder vorbei, unser Bücherflohmarkt und damit sind wir einen Schritt näher an der Frankfurter Buchmesse…aber lasst uns von vorne beginnen.

 

Dem heißen Wetter trotzend, startete unser Bücherflohmarkt in der Woche vom 25. bis 27. Juni in der Schellingstraße 3 in die erste Runde. Pizzastangen, Bananenkuchen sowie Zimtschnecken dienten als hilfreiches Lockmittel, sodass die Käufer nicht ausblieben. Nach eingehender Kundenanalyse haben wir später auch Honig- und Wassermelonen in unser Sortiment aufgenommen, um den hohen Temperaturen etwas entgegen zu setzen. Von Kinderbücher über Ratgeber bis hin zu Krimis wurde alles durchstöbert und viele Schätze gefunden. Auch unsere selbstbedruckten Jutebeutel mit vier verschiedenen, falsch zugeordneten Zitaten erfreuten sich großer Aufmerksamkeit.

 

Nachdem die erste Woche des Bücherflohmarktes sehr viel Spaß gemacht hat und wir am Samstag mit unseren eigenen Büchern auch am Isarflohmarkt anzutreffen waren (wo manche von uns mehr kauften, als verkauften 😉 ), waren wir gespannt auf den zweiten Buchverkauf vom 9. bis 11. Juli in der Schellingstraße 3. Allerdings machte uns der U-Bahn Streik am Dienstag einen Strich durch die Rechnung, weshalb wir erst am Mittwoch unsere Bücherbar aufbauen und zur Tat schreiten konnten.

 

 

Und was sollen wir sagen? Egal ob heiße Temperaturen oder aufkommender Klausurenstress, wir hatten in diesen zwei Wochen eine menge Spaß und haben uns sehr gefreut mit Euch ins Gespräch zu kommen und die Freude an Büchern zu teilen.

 

 

Doch dieser Verkauf und damit die Möglichkeit zur Frankfurter Buchmesse zu fahren, wäre nicht ohne die beachtliche Spende unserer Verlage möglich gewesen. Deshalb sagen wir ein herzliches Dankeschön für die großartige Unterstützung an die Bücher Gilde, den Allitera Verlag, Kunstmann Verlag, Ars Edition, Benevento Publishing, Bruckmann Bildband Verlag, C.H. Beck Verlag, Christian Verlag, Diplomica Verlag, Droemer Knaur, Dumont Buchverlag, Ecowin Verlag, EMF Verlag, Egmont Manga, Ernst Reinhardt Verlag, Galivani Verlag, Gmeiner Verlag, Grohverlag, GU Verlag, Häfft Verlag, Hanser Literatur Verlag, Hanser Verlag, Haupt Verlag, Hoffmann und Campe Verlag, Kein und Aber Verlag, Kiwi Verlag, Klett-Cotta Verlag, Lovelybooks, Magellan Verlag, Mittvision, Münchner Verlagsgruppe, Nagel & Kimche Verlag, Piper Verlag, Random House Audio Verlag, Random House Verlag, Reclam Verlag, Servus Magazin, S. Fischer Verlag, Suhrkamp Verlag, Tessloff Verlag, UTB Verlag, Ueberreuter Verlag, Verbrecher Verlag, WBG Verlag und Roland Quist Verlag.

 

Wir sehen uns in Frankfurt.

Bis dahin

eure Munich Bookster

Werbeanzeigen

Themenwoche Flucht im Gasteig

In der kleinen Gasse, auf dem Weg von der S-Bahn zur Stadtbücherei verbirgt sich ein kleiner, aber feiner Raum – das PIXEL. Zugehörig zum Gasteig dreht sich alles rund um die drei Schlagwörter Medien, Kultur und Partizipation. Genau das macht diesen Ort perfekt für das Praxisprojekt Themenwoche Flucht von Studierenden der Sozialen Arbeit der Hochschule München. Im Zuge des Praxisseminars Medienpädagogik haben rund 20 Studierende unter der Leitung von Prof. Dr. Beranek und in Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum des JFF (Jugend Film Fernsehen e.V.) die Themenwoche geplant, erarbeitet und durchgeführt.

Vom 17. bis 25. Juni 2019 fanden drei ganz unterschiedliche und gleichwohl sorgfältig ausgefeilte Veranstaltungen statt, die das Thema Flucht medienpädagogisch aufarbeiteten. Ganz nach dem Motto des PIXEL konnte hier mitgemacht, ausprobiert und der Horizont hinsichtlich des Themas Flucht und seiner Auswirkungen erweitert werden. Lydia und Kristin waren für euch dabei und haben an zwei der insgesamt drei unterschiedlichen Veranstaltungen das Thema Flucht gänzlich neu erfahren.

In der ersten Runde wurden wir mit den gängigen Vorurteilen, die viele Menschen gegenüber Geflüchteten haben, konfrontiert und konnten uns mit eben diesen auseinandersetzen. Dafür organisierten die Studierenden den Stammtisch der Vorurteile vom 17. – 19. Juni, den Lydia besuchte.

IMG_9227IMG_9217IMG_9219

 

 

 

 

 

 

Der Pixel-Raum ist gemütlich bayerisch eingerichtet, es gibt die die typischen Wirtshaus-Zwischenrufe aus dem Lautsprecher. Zum Aufräumen der Vorurteile wird ein Quiz, bei dem mehrere Spieler gegeneinander antreten und so manch ungewöhnlichen Fragen begegnen können.

 

‚Können alle Afrikaner gut trommeln?‘ oder ‚Hat jeder Flüchtling ein Smartphone?‘ lockern die Ernsthaftigkeit des Themas auf und sind leicht zu beantworten. Das gibt mir schon mal ein gutes Gefühl. Bei so mancher Frage muss ich dann doch zugeben, dass ich auch nicht alles über die aktuelle Situation und das Vorgehen der  zuständigen Behörden weiß.

Neben dem Quiz gab es noch eine VR-Brille auszuprobieren. Ich fand mich mitten in einem Flüchtlingscamp wieder. Wer die Erfahrungen der Geflüchteten so nah und informativ vermittelt bekommt, kann das vielleicht in Zukunft etwas besser verstehen: warum Menschen das Risiko eingehen, das Mittelmeer auf einem Schlauchboot zu überqueren. Vor welchen Herausforderungen sie stehen, wenn sie den Trip überlebt haben und wie schwer sie es noch bei uns haben können.

Vom 20. bis 22. Juni haben die Studierenden eine Ausstellung zum Thema Medienflu(ch)t kuratiert, welche die Frage beantworten sollte, wie wir uns denn eigentlich fühlen würden, wenn wir auf der Flucht wären.

Den Abschluss dieser aufschlussreichen Projektwoche bildete der Escape Room – Flucht. Vom 23. bis 25. Juni wurde hier im Zuge eines spannenden Quests den Teilnehmern das Thema Flucht noch näher gebracht, denn nun war man mittendrin –  Kristin hat für euch daran teilgenommen.

 

DSC_0548

Stellt euch vor: Ihr seid gezwungen zu fliehen.

Ihr verlasst eure Heimat in Afrika und versucht, irgendwie nach Europa zu gelangen. Mit Hilfe von Schleusern soll es euch gelingen. Doch die Schleuser haben eure Pässe, sie helfen euch nur, wenn ihr ihnen mehr Geld bezahlt.

Ihr habt kein Geld.

Eure einzige Chance ist es, in das Büro der Schleuser einzudringen und die Pässe zurückzustehlen, während diese in ihrer einstündigen Mittagspause sind. Doch die Schleuser haben ihr gesamtes Büro mit Schlössern versehen, deren Codes ihr nur entschlüsseln könnt, indem ihr verschiedene Rätsel löst. Ihr habt eine Stunde, um den Schlüssel zu einem besseren Leben in Händen zu halten. Los.

DSC_0550

DSC_0553

DSC_0551

 

 

 

 

 

 

 

In liebevoller Detailpanung wurden hier zahlreiche Rätsel und Hürden aufgebaut, die mich und meine Teampartnerin sehr gefordert haben. Damit auch alles funktionierte, hat das fünfköpfige Escape Room Team den Raum bereits uniintern testen lassen – und ich muss sagen, alles lief wie am Schnürchen.

DSC_0557.JPG

Hochkonzentriert, mit viel Eifer und einer Menge Spaß haben wir uns durch den Raum gerätselt. Schloss für Schloss kamen wir unserem Ziel näher. Da ging es auch schonmal mit uns durch und wir haben fälschlicherweise Ringe und Dreiecke auf Wanddekorationen gezählt – und dies leider sogar sehr lange.

Nach 40 Minuten hatten wir endlich unsere Pässe in der Hand, stolz wie Bolle, die Rätsel gelöst zu haben und erstaunt wieviel man über das Thema Flucht auch im Spiel lernen kann.

Vielen Dank für diese interessanten und lehrreichen Einblicke in dieser sehr toll organisierten Themenwoche!

 

 

 

 

Das neue Team der Munich Bookster stellt sich vor

Während Studierende des Masters Verlagspraxis uns zu Beginn des Semesters einen spannenden Einblick hinter die Kulissen des Verlegens während der Woche der Münchner Verlage gezeigt haben, hat das neue Team der Munich Booksters eifrig geplant, welche Veranstaltungen sie in den nächsten Monaten organisieren, um die Frankfurter Buchmesse im Oktober zu besuchen. 

Die Munich Bookster bestehen dieses Mal aus sechs Studierenden des Bachelorstudiengangs der Buchwissenschaft und des Masterstudiengangs der Verlagspraxis. 

Traditionell wird zum Bücherflohmarkt „Sommermarkt“  inklusive Gaumenschmaus und Überraschungen vom 25. bis 27. Juni und vom 9. bis 11. Juli in der Schellingstr. 3 eingeladen und da wir im Verkauf-Rausch sind und unsere eigenen Bücherregale überquellen, sind wir auch auf dem Isarflohmarkt am 29. Juni anzutreffen, auf dem wir unsere privaten Schätze unter die Leute bringen. Den Abschluss bildet die Mitarbeit am Stand „Studium rund ums Buch“ auf der Frankfurter Buchmesse, welche euch natürlich auf verschiedenster Weise näher gebracht wird. 

Aber was wäre ein Semester ohne einem interessanten Schwerpunkt? Wie viel wisst ihr eigentlich über die Münchner Stadtbibliothek? Habt ihr beispielsweise bereits die Bücherbusse entdeckt, die durch unsere Stadt fahren? Die Munich Bookster möchten sich das mal genauer ansehen und noch weitere Veranstaltungen und Events besuchen, um euch davon zu erzählen.

Über all das und mehr halten wir euch über Instagram, Facebook, Twitter und natürlich diesem Blog auf dem Laufenden.

 

Aber wer sind eigentlich ‚wir‘? 

Damit ihr uns an den Ständen auch als einer der euren erkennen könnt und eine Vorstellung davon habt, wer für was bei den Munich Bookstern zuständig ist, haben sich die Munich Bookster vor ihrem heimischen Bücherregal fotografiert.

 

…und ja, da gibt es noch dieses Gruppenbild, auf dem wir aussehen wie Arzthelferinnen. 😉

 

Zu diesem ‚wir‘ gehört u. a. Markus Schäfer, der als gelernter Sortimentsbuchhändler, Seemann a.D. und Buch- Medienforscher die helfende Hand ‚behind the scenes‘ ist und den Messekurs im Auftrag des Zentrums für Buchwissenschaft zur FBM 2019 begleitet.

 

 

Sowie Lydia, die den Stapel ungelesener Bücher zu Hause schneller abarbeiten würde, wenn sie ihre Freunde nicht so gern hätte. Da Lydia ein sehr sozialer Mensch ist, ist ihr der Austausch mit vielen unterschiedlichen Leuten sehr wichtig. Deshalb freuen wir uns, dass sie die Veranstaltungen der Bookster koordiniert.

 

 

Selbst eine begeisterte Leserin und ständig Reisende, wird Kristin als Beauftragte für Werbemittel nicht müde unser Logo unter die Bücherfreunde zu bringen.

 

 

Als Mutter von zwei Töchtern, Kaffeejunkie und Buchliebhaberin, hat Lisa auch noch ein großes Interesse an Zahlen und Kalkulationen. Ob das und ihre kaufmännische Ausbildung dazu beigetragen haben, dass sie die Finanzverwaltung übernommen hat? Möglich. 😉

 

 

Neben einer Leidenschaft für Literatur und Kunst gestaltet und plaudert unsere Jessica ganz gerne. Daher versorgt sie euch bei den Bookstern mit brandaktuellen News und allerlei Content auf unseren Social-Media-Kanälen und gibt euch hin und wieder geheime Einblicke.

 

 

Eine Münchnerin, die in Berlin studiert hat und dann zum Bücherlesen aufs Land gezogen ist. Um die Logistik der Munich Bookster kann sich Julia jedoch von überall aus kümmern, denn zum Glück gibt es ja das Internet.

 

 

Mit einen Sinn für schwarzen Humor und einer Liebe für das geschriebene Wort, kümmert sich Céline bei den Booksters um den Blog.

 

 

 

Wir freuen uns auf eine spannende Zeit und den Austausch mit euch.

 

Eure Munich Bookster

 

 

 

 

 

 

Das literarische München ist bunt!

Schon mal von Mixtvision gehört? Oder von arsEdition? Von Oekom vielleicht? Nein? Dann wird es allerhöchste Zeit!

Nach der großartigen Woche der Münchner Verlage, in der wir bei einigen der großen Player der Verlagsbranche reinschnuppern durften (-> verpasst auf keinen Fall das Video, das wir über die Woche der Münchner Verlage gedreht haben WocheDerMünchnerVerlage-Aftermovie), haben wir die vergangenen Tage genutzt, um unseren Horizont in München zu erweitern und unseren Blick auf einige der Verlage zu richten, die bisher noch nicht genannt wurden. Es sind oft gerade die kleinen Verlage oder die unabhängigen, die unsere Verlagslandschaft erst so vielfältig und bunt machen. Und München hat hier so einiges zu bieten: mehr als 140 Verlage, davon sind 114 im Börsenverein des deutschen Buchhandels gemeldet (Stand 2018), über 1,2 Milliarden Euro Umsatz und 8.046 Erstauflagen (nach Berlin Rang 2 im deutschlandweiten Ranking).

Snip20190527_3

Seid gespannt auf die besten Store Konzepte bei Callwey, versteckte und verwunschene Orte bei GeraNova Bruckmann, Outdoor-Cooking bei Knesebeck oder die schönsten Eintragalben bei ArsEdition. Weil die Verlagsstadt München so eine beeindruckende Bandbreite zu bieten hat, wollen wir euch heute eine Auswahl dieser Verlage sowie ihre interessanten und außergewöhnlichen Veranstaltungen vorstellen. Zuletzt könnt ihr euch noch auf eine (unvollständige) Liste der literarischen (Veranstaltungs-)Orte freuen, die ihr in München besuchen könnt!

 

arsEdition

Im Bereich der Geschenkbücher und Kalender hat der Verlags arsEdition, der zur schwedischen Bonnier Gruppe gehört, die Nase vorn. Auch im Bereich Kinderbuch zeigt er eine große Auswahl vom herzigen Pappbilderbuch bis zum kritischen Kinderbuchroman. Besonders die Autor*innen der Kinderbücher sind auf Lesungen in ganz Deutschland anzutreffen.

GeraNova Bruckmann

Der Special-Interest-Verlag hat sein Programm gänzlich auf das Abenteuer ausgelegt. Mit Themen wie Tourismus, Sport, Natur, Kultur und Geschichte und einer großen medialen Bandbreite von Büchern, Hörbüchern, Zeitschriften, Apps und vielem mehr gehört er in diesen Themengebieten zum führenden Anbieter.

Eine Mitarbeiterin sagt im Interview über den Schwabinger Verlag: „Vor allem die Vielfalt der Programmbereiche macht Bruckmann besonders und hebt es von anderen Verlagshäusern ab: von Zeitschriften zu verschiedensten Themen über Bildbände und Reiseführer bis hin zu Koch- und Bastelbüchern ist hier alles dabei!“

Hier findet sicherlich jede*r etwas passendes zum Lesen oder eine spannende Veranstaltung: Es werden klassische Lesungen, Buchpräsentationen, Vorträge und vieles mehr angeboten.

Callwey Verlag

Bei den Kuchen und Törtchen von Fräulein Klein läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Oder, der Jahreszeit angemessen, sollen es vielleicht doch eher die besten Rezepte für die Biergartenbrotzeit sein? Der Callwey Verlag wartet neben Kochbüchern mit einer Auswahl feiner Bücher zum Thema Wohnen, Garten, Mode und Reise auf. Lifestyle pur. Auf der Website lockt ein famoser Blog – unbedingt mal reinschauen. Anhand der modernen Inhalte kaum zu glauben, aber Callwey ist inzwischen über 130 Jahre alt, nach wie vor unabhängig und in der Hand der Familie.

Gräfe und Unzer

Die praktischen und leichten Kochbücher von GU kennt wahrscheinlich jeder. Nicht weit hergeholt also, dass sich GU seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Kochbuchverlegern zählen darf. Das Verlagsprogramm erweitert sich durch Bücher im Bereich Ratgeber und Reise, zum Beispiel die beliebten Merian-Reiseführer. Auch GU kann auch eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken: Das Verlagshaus hat seine Wurzeln in einer preußischen Buchhandlung im Jahr 1722. Gräfe und Unzer wuchs stetig, gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts sogar europaweit zur größten Sortimentsbuchhandlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich, das Haus in einen Verlag zu verwandeln. Im Bereich Veranstaltungen erwarten euch demnächst Lesungen mit Thomas Hermanns (Netter is better, 23.06.2019, Lustspielhaus München), Seminare mit dem Kräuterexperten Wolf-Dieter Storl und Vorträge zum Thema Erziehung von Autorin Stefanie Stahl, die es sich mit Das Kind in dir muss Heimat findenseit drei Jahren auf der Bestsellerliste gemütlich macht.

Knesebeck Verlag

Das besondere Buch – der Name ist hier Programm. Erstklassige Bildbände in hochwertiger Ausstattung erfreuen das Herz des Naturfreundes. Aber auch Themen wie Architektur, Mode, Kunst und Kultur haben ihren Platz im Verlagsprogramm. Große Erfolge erzielt der Verlag mit ästhetisch hochwertigen Ratgebern wie zum Beispiel Einfach leben, das den Trend „Minimalismus“ auf sehr praktische Weise anpackt. Bemerkenswerten und berührenden Erlebnissen, Erfahrungen und Momenten widmet sich Knesebeck seit Neustem mit den Knesebeck Stories, in denen uns spannende, wahre Geschichten erzählt werden. Ein ausgewähltes Kinder- und Jugendbuchprogramm komplettiert das Verlagsportfolio. Freut euch auf humorvolle Lesungen von Julia Finkernagel (Ostwärts – Oder wie man mit den Händen Suppe isst, ohne sich nachher umziehen zu müssen), Filmvorführungen von Reiß aus(zu dem es eine Knesebeck Storie gibt) oder Ausstellungen der herausragenden Bilder der prämierten Wildlife Photograher of the Year.

Verlag Antje Kunstmann

Im kleinen unabhängigen Publikumsverlag werden Belletristiktitel und Sachbücher verlegt, davon einige auch als Hörbuch. Seit der Gründung durch Verlegerin Antje Kunstmann im Jahre 1990 erscheinen jährlich etwa 45 Titel – darunter unter anderem Romane, Kurzgeschichten und Essays, aber auch ungewöhnliche Titel, die sich laut Verlag selbst nicht in die Reihen des literarischen oder des Sachbuchprogramms gliedern lassen können. Hierzu zählt beispielsweise das grandiose Mitmach-Buch Mach dieses Buch fertigvon Keri Smith.

Diese große Bandbreite und Vielfalt spiegelt sich auch in den Veranstaltungen des Verlages wider, von denen viele in München stattfinden. Verpasst also nicht Axel Hacke, der auf der Bühne gerne mal spontan entscheidet, aus welchem seiner vielen Texte er lesen will. Oder besucht Ende Mai die Buchpräsentation zu Jodelmania, die unter anderem von Grammy-nominierten musikalischen Gästen begleitet wird.

Mixtvision Verlag

Ein besonderes Unternehmen mit Vision. Durch die Verbindung von Büchern, Film, Fernsehen und digitalen Angeboten schafft der Verlag die Grätsche zwischen klassischem Buch Digitalisierung. Auf der Website wird es so beschrieben: „Wir erzählen Geschichten in unseren Büchern, in Spielen und in Filmen, [um] all das zusammenzubringen, was zusammengehört“.

Das Programm richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche und hat in diesen Bereichen auch schon einige Preise abstauben können.

Eine besondere Veranstaltungsreihe sind die „Werkstattgespräche“, die der Verlag in Zusammenarbeit mit dem Kinderkunsthaus organisiert. Dieses Jahr wurde das Thema Kreativität verhandelt und glücklicherweise könnt ihr im Oktober noch die Werkstatt-Vernissage besuchen und euch ein eigenes Bild machen!

oekom verlag

Dieses Jahr feiert oekom sein 30-jähriges Bestehen und damit auch das unermüdliche Engagement für eine nachhaltige und zukunftsfähige Welt. Natürlich sind nicht nur die Inhalte seiner Titel ökologische Vorreiter, sondern auch die Bücher an sich, also die Ausstattung, werden nachhaltig hergestellt. Weiterhin engagiert sich oekom aktiv im Klimaschutz und setzt sich für Biodiversität ein. Dem Verlag geht es nicht um die Beschwörung einer dräuenden Zukunft, sondern um zielgerichtetes Handeln und darum Wege aufzuzeigen, die eine lebenswerte Zukunft möglich machen. Dafür bietet er eine Vielzahl von Veranstaltungen an, ob Vortrag (zum Beispiel zu Erneuerbaren Energien am 27. Juni in Oberschleißheim), Seminar („Öko-Landbau – wie funktioniert das eigentlich?“) oder Festival („Erdfest“, 21. – 23. Juni 2019). 

Riva Verlag

Der Verlag ist jung, aber das Programm ist bunt und die Zahl der Neuerscheinungen groß. Die Bücher, des zur Münchner Verlagsgruppe gehörenden Verlages umfassen eine große Themenvielfalt. Von Gesundheit und Ernährung, Politik und Gesellschaft über FC Bayern ist für jeden was dabei. Auch bekannte Namen aus Social Media, der Musikbranche oder Sport veröffentlichen ihre Geschichten beim riva Verlag, der durch sein gutes Gespür auch hin und wieder Bestseller verlegt. Aktuell mischt der Verlag auch im Podcast- und Zeitschriftengeschäft mit.

Interessiert man sich für Veranstaltungen des riva Verlages, ist er besonders im Bereich Sport gut aufgestellt und es sollte jeder fündig werden.

 

LITERARISCHE ORTE IN MÜNCHEN

Gasteig

Deutschlands größtes Kulturzentrum bietet regelmäßig literarische Lesungen, Vorträge, Diskussionen und Werkstattgespräche an. Als Veranstalter zeichnet hier in der Regel die Münchner Stadtbibliothek verantwortlich, von der auch ein bedeutender Teil im auffälligen Gasteig-Gebäude beheimatet ist. Auch Kinder und Jugendliche kommen auf zwei eigenen Etagen voll auf ihre Kosten. Freunde der Musik finden im Gasteig eine bestens sortierte Musikbibliothek, die in ihrer Größe einzigartig in Deutschland ist, und Fans der Philatelie und Postgeschichte werden hier ebenfalls fündig.

Literaturhaus

Einer der bekanntesten literarischen Orte ist das Literaturhaus München. Hier dreht sich alles um den wohl schönsten Zeitvertreib. Ausstellungen, Lesungen, Seminare, Kinovorstellungen, Workshops, Schreibwerkstätten – alles, was in der Literatur Rang und Namen oder großes Starpotenzial hat, tritt hier auf. Oder wird gefördert. Also, warum nicht mal an einem Workshop zum Literarischen Schreiben mitmachen? Vielleicht ist das der Beginn einer großen Schriftstellerkarriere.

Vereinsheim

Diese Veranstaltungsreihe wollen wir euch auf keinen Fall vorenthalten: „Lesen für Bier“. Ihr bringt die Texte mit, ganz egal ob Schiller, Stephenie Meyer oder die Gebrauchsanweisung des eigenen Toasters und das Vereinsheim liest vor. Per Applausbarometer entscheidet anschließend ihr, ob der Text oder der Vorlesende die bessere Performance abgeliefert hat. Gewinnt der Vorlesende, bekommt er ein Bier. Gewinnt euer Text, dürft ihr das Bier genießen.

Bibliotheken

Die Münchner Stadtbibliotheken sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt: Von Nord bis Süd und von Ost bis West – in fast jedem Stadtteil befindet sich eine Stadtteilbibliothek. Niemand ist also gezwungen, weit zu fahren. Und wer vor seiner Haustür doch nicht fündig wird oder Wohnung und Haus nicht verlassen kann, kann sich auf die Bücherbusse verlassen, die insbesondere in den Stadtteilen vorfahren, die keine eigene Stadtteilbibliothek haben, bzw. den Mobilen Bücherdienst nutzen. Auch Krankenhäuser werden vom mobilen Bücherdienst besucht.

Ein besonderer Hingucker ist die Juristische Bibliothek im Neuen Rathaus am Marienplatz. Zwischen den meterhohen Regalen und den gewundenen, schmiedeeisernen Treppen fühlt man sich sofort in die magische Welt von Hogwarts versetzt. Leider darf die Bibliothek nur von Jurist*innen genutzt oder im Rahmen einer Rathausführung besichtigt werden. Nicht zu vergessen die altehrwürdige Bayerische Staatsbibliothek in der Ludwigstraße, die Monacensia, die sich auf Münchner Literatur spezialisiert hat (Teil der Münchner Stadtbibliothek), das Lyrik-Kabinett, die (nach London) größte Poesie-Sammlung Europas, und die Internationale Jugendbibliothek in Schloss Blutenburg. An allen genannten Orten gibt es literarische Veranstaltungen. Verpasst es also nicht, die Websites zu durchstöbern!

 

MAGAZIN

IN MünchenIMG_8523

Das Stadtmagazin, bei dem für jeden etwas dabei ist. Egal ob Kino, Restaurant, Theater oder vieles mehr. Nirgends kann man sich besser informieren, welche kulturellen Möglichkeiten München bietet. Und da darf die Literatur natürlich auch nicht fehlen. Ihr findet die Informationen entweder direkt im Heft, das zweiwöchentlich erscheint, in der App oder auf der Website. Mit einer guten Suchmaske und dem strukturierten Design ist alles sehr nutzerfreundlich aufbereitet und man kann entspannt im riesigen Veranstaltungsangebot Münchens stöbern. Besonders geeignet ist in-München für Spontan-Interessierte die beispielsweise gerne an einem verregneten Samstagabend eine Lesung besuchen möchten. Das Angebot ist nämlich verdammt groß und jeder kommt hier auf seine Kosten.

 

FESTE

lit.Love

Die lit.Love ist ein Lesefestival für Fans von Frauenromanen. Am 9. und 10. November 2019 treffen dieses Jahr schon zum vierten Mal unter dem Dach von Random House die Autor*innen großer Gefühle auf ihre Leser*innen. Es wird Lesungen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Einblicke in die Verlagsarbeit geben. Mit dabei sind die Verlage cbj, blanvalet, Diana, Goldmann, Heyne, Heyne fliegt, Der Hörverlag, Penguin und Random House Audio. 

Literaturfest München

In der kalten Jahreszeit lockt uns das vielfältige Programm des Literaturfestes München in die Veranstaltungshallen der Stadt. Vom 13. November bis 1. Dezember 2019 warten auf euch eine regionale Buchausstellung (die Münchner Bücherschau), hochkarätige Veranstaltungen, die von Autor*innen organisiert werden, und wichtige Preisverleihungen, wie zum Beispiel den Geschwister-Scholl-Preis.

Weitere

Und noch mehr … Krimifestival München (immer im Frühjahr), Wortspiele, das internationale Festival junger Literatur (immer im Frühjahr) und das Comicfestival München (20. – 23- Juni 2019).

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch beim Piper Verlag

Wie kommt das Buch zum Leser ? Die Welt des Vertriebs. – Warum Vertrieb mehr ist als Logistik.

c447ecba-8cc5-4597-ba48-7e78379c37e4

Die Woche der Münchner Verlage neigt sich langsam dem Ende zu. Bisher durften wir erfahren, wie sich ein Manuskript seinen Weg durch die verschieden Bereiche im Verlag bahnt. Nun sind wir an der letzten Station angekommen und hier stellt sich eine grundlegende Frage: Wie kommt denn nun das frisch gedruckte Buch auf die Ladentische der Buchhandlungen?

Gestern Abend waren wir zu Gast beim Piper Verlag, bei der genau diese Frage von Expertinnen aus der Vertriebswelt beantwortet wurde. Mit dabei waren Sabrina Lessnig (Vertriebsleitung Piper), Anke Hardt (Vertriebsleitung dtv), Bettina Schubert (Vertriebsleitung Hanser Literaturverlag) und Heide Warkentin (Vertriebsleitung Claudius Verlag). Drei große Publikumsverlage teiltensich die Bühne mit einem spirituellen Special-Interest-Verlag. Die Moderation übernahm wie am Vorabend Dieter Heß vom BR.

11a9e058-b998-4acb-a2de-51fdcdf32f92

Felicitas von Lovenberg, verlegerische Geschäftsführerin des Piper Verlags, ergriff das erste Wort und hieß alle Anwesenden in den Räumlichkeiten des Verlages im Herzen Münchens willkommen. Anschließend stellte Herr Heß das Motto des Abends vor: “Der Zauber der Handelsader”. Für viele sei der Vertrieb selbstverständlich, da nicht ersichtlich ist was sich hinter den Kulissen abspielt. 

“Es ist eine falsche Meinung, dass die Arbeit der Vertriebler erst los geht wenn ein Buch gedruckt ist” (Dieter Heß)

Ziel des Abends sei es, genau diese Mysterien aufzuklären und den nicht immer ersichtlichen Zauber der Handelsadern aufzuspüren.

Die Betreuung der verschiedenen Kund*innen ist eine der Hauptaufgaben des Vertriebs. Mit Kund*innen sind in diesem Fall die Bucheinzelhändler*innen und Filialisten gemeint und noch nicht der oder die Leser*in als Endkund*in. Große Ketten bekommen nicht nur die Programmvorschau zugeschickt, sondern auch personalisierte Unterlagen, die Frau Lessing als “Liebesmühe” bezeichnet. Besonders die Kaufmengen dieser Konzerne lassen wohl das Vertrieblerherz höher schlagen.
Auch die kleineren Buchhandlungen bleiben nicht außen vor: Vertreter*innen betreuen diese persönlich vor Ort, da sie nicht nur die Ladenausstattung kennen sondern auch wissen welches Klientel dort einkauft und welche Bücher dementsprechend individuell in das jeweilige Sortiment passen.

c1996df7-b292-4474-b80a-c49e207dcd4d.JPG

“Kundenkenntnis ist das wovon wir Vertriebler leben” ,

meint Frau Hardt von dtv. Genau diese Kenntnis schafft das nötige Vertrauen, dem oder der Kund*in nicht nur willkürlich die Ware auf’s Auge zu drücken. Denn laut Schubert will man gar nicht nicht alles in Massen verkaufen, sonst erhöht sich das Risiko Vieles als Remittenden zurück zu erhalten. Manchmal muss sie sich gegen die Meinung von Verlagsleitung oder Lektorat stellen um eine unwirtschaftliche Beratung zu vermeiden und eine realistische Einschätzung zu garantieren.

“Wir wollen die Bücher erfolgreich verkaufen, aber dabei glaubwürdig bleiben”,

so Frau Hardt. Eine ähnliche Moral sei im Umgang mit der Auflagenkalkulation notwendig.

Der Show-down der Vertriebsarbeit ist die Vertretertagung, die zweimal im Jahr stattfindet. Dabei sollen die Vertreter*innen heiß auf die neuen Titel gemacht werden um diese dann in ganz Deutschland in den Regalen der Buchhandlungen unterzubringen. Die Meinung und das Know-How der Außendienstler*innen wird auch häufig in die internen Prozesse mit einbezogen, denn sie sind Augen und Ohren des Verlages auf dem Markt. Sie liefern wichtige Rückmeldungen und Einschatzungen, die den Schaffensprozess durchaus beeinflussen können.

“Vertreter sind Leser und Verkäufer in einem” (Sabrina Lessnig)

Dann wollte der Moderator Herr Heß es genau wissen: Was ist eigentlich der Zwischenbuchhandel? Barsortiment? Großhandel?

Frau Hardt beschreibt es als die Nahversorgung des stationären Buchhandels. So wie im Apothekensystem können Leser*innen in deutschen Buchhandlungen bestellen und das Buch kann bereits am nächsten Morgen im Geschäft abgeholt werden. Damit ist das Barsortiment ein großes Effizienzinstrument. Frau Warkentin ergänzt:

“Ein einzigartiges System – es ist toll was für die Kultur getan wird”

Nun ist es endlich geschafft, das Buch ist verkaufsbereit im Laden. Doch wie kann es bestmöglich präsentiert werden? Der Platz auf dem Ladentisch ist heiß begehrt, doch keine Garantie. Frau Hardt spricht aus Erfahrung: “Es verreckt Ihnen auch ein Titel auf dem Stapel”. Mit einigen Lachern im Publikum konnte so die Fragerunde eingeleitet werden, was das Publikum interessiert nutzte.

“Ich hoffe Sie haben den Zauber der Handelswege gespürt!” Damit entlässt uns Herr Heß in das Ende einer ereignisreichen Woche. Und wir entlassen euch mit den Worten, mit denen Frau von Lovenberg die Veranstaltung eingeleitet hat:

“Glück kann man nicht kaufen, Bücher aber schon!”

dbc14458-bfe2-46ce-9a09-ad2bbff28220

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei C.H. Beck

 

IMG_20190510_135720Wie weckt man in Zeiten einer sich permanent wandelnden Medienlandschaft breiteres Interesse an einem der jährlich rund 70.000 neuen Bücher?

Tag 6 des Verlagsmarathons, heute sind wir bei C.H. Beck in Schwabing zu Gast. Das Thema: Presse-und Veranstaltungsarbeit. Mit dabei sind vier erfahrene Pressefrauen und -männer, die uns anhand von spannenden Anekdoten und Erzählungen ihren beruflichen Alltag ein wenig näherbringen. Die Begrüßung erfolgt durch Jonathan Beck, den Hausherren aus der inzwischen siebten Verlegergeneration. Dieter Heß, der Moderator des heutigen Abends, stellt die Gäste vor. Elisabeth Braune ist bei der Mixtvision Mediengesellschaft für Presse und Kommunikation zuständig, Christina Knecht leitet die Presseabteilung im Hanser Literaturverlag. Aus dem eigenen Haus ist Ulrike Wegner dabei, sie leitet die Presse- und Lizenzabteilung Literatur – Sachbuch – Wissenschaft bei C.H. Beck. Der einzige Mann der Runde kommt von dtv, Thomas Zirnbauer ist dort für die Pressearbeit des Literaturprogramms verantwortlich.

Wie schafft man es, Aufmerksamkeit für die verlagseigenen Bücher zu wecken, bei einer unglaublichen Menge von 70.000 Neuerscheinungen im Jahr?! Pressearbeit braucht Leidenschaft, Lust an der Literatur und am Lesen und jede Menge Durchhaltevermögen. Eine kleine Demonstration hilft dabei vielleicht: Wer kennt den Bestsellerautoren Yval Noah Harari? Viele, ganz klar. Auch Angela Merkel! Ulrike Wegener erzählt die Anekdote, die titelgebend für den Abend ist: 2018 stellt sich die vielbeschäftigte Bundeskanzlerin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos selbst dem Autor vor, nicht umgekehrt, und spricht ihm ihre Bewunderung und Anerkennung aus. Aber warum und woher kennt man einen Autor oder ein Buch eigentlich? Genau das ist der Erfolg von gelungener Pressearbeit!

Aber von Anfang an. Was genau ist Pressearbeit und wann beginnt sie? Bereits bei der Akquise neuer Titel wird die Presseabteilung teilweise schon nach einer Einschätzung gefragt, berichtet Ulrike Wegener. Denn bei der Vertreterversammlung, der Vorstellung des neuen Programms für die Vertreter und den Buchhandel, sollte die Presseabteilung schon eine Position zu den Titeln haben. Die Ideen entstehen dann peu à peu in einem langwierigen Sammelprozess. Dabei wird überlegt, welche Verknüpfungspunkte oder aktuelle Anlässe es für ein Buch geben kann, zum Beispiel Jahrestage oder politische Ereignisse. Hier wird in den Abteilungen überlegt, welcher Rezensent für einen Titel in Frage kommt, denn der „richtige“ Rezensent für eine möglichst positive und breit gestreute Besprechung ist ein wichtiger Faktor. Sobald das Buch dann vorliegt, werden fleißig Rezensionsexemplare verschickt, Interviews vermittelt und Veranstaltungen geplant.

IMG_20190510_135831

Das Buch braucht Zuwendung im Haifischbecken namens Buchmarkt.

Die klassische Lesereise gehört mit zur Pressearbeit und bietet sich vor allem dann an, wenn der Autor gerne mitspielt. So der Fall bei T.C. Boyle, Bestsellerautor bei Hanser, der immer gerne nach Deutschland reist. Christina Knecht berichtet von einer aufwendigen Lesereise über zwei Wochen mit acht Stationen, unzähligen Interviews für Zeitung, Radio und TV. Als wäre dies noch nicht Organisationsaufwand genug, machte bei dieser Lesereise im Speziellen nicht nur das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Gecancelte Flügen, gesperrte Kreditkarten und technische Störungen bei der Deutschen Bahn bringen selbst eine erfahrene Pressefrau ins Schwitzen.

Doch die Pressearbeit als Ganzes wandelt sich. Rezensionsexemplare werden digital verschickt, Inhalte werden mehr und mehr auf digitalen Endgeräten gelesen. Der Trend geht zu kürzeren Buchtipps, ausführliche Rezensionen schaffen es immer seltener in die Tageszeitungen. Redaktionen werden zusammengelegt und Super-Rezensenten gewinnen an Macht. Hier muss man sich auf neue Blickweisen einlassen, meint Thomas Zirnbauer. Pressearbeit hat sich zu Medienarbeit entwickelt, ist komplexer und kleinteiliger geworden, aber auch umso vielseitiger. Ein großer Vorteil ist es, dass die digitale Entwicklung näher an den Leser heranführt und es beispielsweise erlaubt, den Endkunden im Netz direkt anzusprechen.
Bei Mixtvision, die schon dem Namen nach eine Mediengesellschaft ist, weist auch die Struktur auf eine große digitale Ausrichtung hin. Neben dem Verlag, der Kinder- und Jugendbücher, Bilderbücher und besondere Bücher publiziert, existieren die beiden Unternehmensbereiche Film und App. Die Abteilungen müssen sich absprechen und ihre Kontakte bündeln, um vom Inhalt aus zu denken und die Geschichte bekannt zu machen, berichtet Elisabeth Braune. Ein Beispiel dieser crossmedialen Strategie ist der Titel Mr. Griswolds Bücherjagd aus dem Jahr 2018. Auch hier wurden klassisch Rezensionsexemplare verschickt, vor allem an jugendliche Testleser. Gleichzeitig wurde jedoch auch ein Filmtrailer gedreht und eine Onlinekampagne gestartet: eine Kooperation mit Lovely Books, bei der Buchblogger selbst Bücher versteckten und eine Bücherjagd initiierten. Um diese ‚literarische Schnitzeljagd‘ noch erfahrbarer zu gestalten, wurde außerdem ein Veranstaltungskonzept für Buchhandlungen, Lesefestivals und Büchereien entwickelt, und anlässlich der Veröffentlichung des 3. Bandes erscheint auch eine zugehörige App.

Leider gibt es aus der Welt der PR aber nicht nur Erfolgsstories zu erzählen – zur Pressearbeit gehören auch Komplikationen und Misserfolge, wovon jeder der Anwesenden zu berichten weiß. Dabei ist dann vor allem Einfühlungsvermögen gefragt: Mit viel Hoffnung und Leidenschaft geht man ins neue Programm, aber es kann natürlich nicht jedes Buch zu dem Erfolgstitel werden, den sich Pressemitarbeiter und Autor wünschen. Die Kommunikation von Misserfolgen avanciert daher manchmal zum Drahtseilakt, da man einerseits auf eine aufrichtige Kommunikation auf Augenhöhe setzt, andererseits aber auch niemanden verletzten will. „Eine therapeutische Zusatzausbildung schadet als Pressefrau auf jeden Fall nicht“, so Ulrike Wegner, denn:

„(w)ir haben mit Menschen zu tun, nicht mir Schuhkartons.“

Authentisch und auch selbstkritisch berichten die Anwesenden darüber, was bei der Pressearbeit alles schieflaufen kann: Mal verstreicht bei einem erfolgsversprechenden Making-of-Buch zu einem prominenten Film der richtige Zeitpunkt: Der Film erscheint, aber das Buch ist noch nicht fertig. Damit ist der Anknüpfungspunkt der Filmpremiere nicht mehr vorhanden, was für die Pressearbeit erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Oder aber die Rezensentin ist wider allen Erwartens leider nicht so begeistert vom Buch wie gedacht, was eine Welle negativer Berichterstattung auf vielen Kanälen mit sich führt. Thomas Zirnbauer weiß, dass es nicht immer katastrophale Wetterbedingungen wie im Falle Boyle sein müssen, die ein Werbeevent zur Herausforderung gestalten: Es kann auch einfach mal passieren, dass Autoren, fest als Diskussionsteilnehmer eingeplant, im letzten Moment kalte Füße bekommen! Neben Organisationstalent ist also auch viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Die anschließenden Fragen aus dem Publikum werfen weitere Problemfelder der Pressearbeit auf: Was tut die professionelle Pressefrau (oder der professionelle Pressemann), wenn der Titel, der beworben werden soll, selbst vielleicht gar nicht so gut gefällt? Während ehrliche Kommunikation natürlich auch in solchen Fällen wichtig ist, hilft es, sich die jeweilige Zielgruppe vor Augen zu halten, so Hr. Zirnbauer. „Wir verkaufen die Bücher nicht, wir wecken Interesse“ fügt Christina Knecht hinzu.
Und was ist mit Autoren, die sich komplett aus dem Scheinwerferlicht heraushalten möchten? „Es ist absolut unsinnvoll, einen Autor zu etwas zu drängen, was er nicht möchte“, so die Pressefrau des Hanser Verlags. Die PR ist schließlich auch dazu da, die Bücher und deren Inhalte selbst sprechen zu lassen. Übrigens kann in manchen Fällen sogar der Erfolg eines Autors selbst zum Problem werden: Neben des ausgebuchten Terminplans kann es auch passieren, dass eine Zeitung nach dem fünften Bestseller nicht das fünfte Interview abdrucken will – das Luxusproblem der Übersättigung. Hier ist dann Kreativität gefragt, sowie die Bereitschaft, auch unkonventionelle Kanäle zu nutzen.

Anschließend an die Fragerunde haben die Gäste bei Häppchen und Wein die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit der ein oder anderen übriggebliebenen Frage an die Pressebeauftragten zu wenden.
Wir erlebten die Veranstaltung bei C.H. Beck als einen informativen, gelungenen Abend voll von lustigen Anekdoten und ehrlichen Einblicken in die Welt der Presse.

Einen herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Organisatoren!

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei dtv

„Wie kommt Mascha Kaléko aufs Feinkostpapier?“: Ein Einblick in die wilde Welt der Lizenzen

IMG_20190509_143302

„Wilde Welt“und „Lizenzen“– das scheint auf den ersten Blick nicht so richtig zusammenzupassen. Lizenzen sind doch eher trocken und langweilig, oder? Man verhandelt stundenlang über die Nutzung der Rechte und kämpft sich durch den Vertrags-Dschungel… Von wegen! Man kann mit Lizenzen eine ganze Menge Spaß haben! 😊

Um uns das zu beweisen, gab es gestern unter anderem ein kleines Cover-Quiz mit allen möglichen und unmöglichen Varianten. Dabei konnten wir es selbst kaum glauben, wie anders die Lizenzcovers im Ausland manchmal gestaltet sind und was dabei alles schiefgehen kann. Aber seht selbst:

M03423254017-large

Copyright by dtv

 

Dieses Cover kennt vermutlich jeder. Aber wisst ihr auch, wie das gleiche Buch in Frankreich aussieht?

 

 

Das dürfen wir euch nur leider nicht direkt zeigen, wie wir gestern gelernt haben – Copyright und so… Deshalb klickt einfach auf diesen Link und macht euch selbst ein Bild davon!

 

 

Die wilde Welt der Covers bietet wirklich einige Überraschungen! Oder hättet ihr die französische Ausgabe sofort erkannt? Doch die Buchcovers waren nur ein kleiner Teil des gestrigen Vortrags, der uns eine spannende Einführung in den Bereich Lizenzen gegeben hat.

Der Abend begann mit einer Begrüßung der Verlegerin von dtv, Claudia Baumhöver, die uns herzlich und anekdotenreich willkommen hieß. Sie gab ganz offen zu, dass dtv bei der Vergabe der Themen nicht anwesend war – und prompt den Bereich Lizenzen aufs Auge gedrückt bekam. Das weckte erst recht den Ehrgeiz von ihr und ihrem Team, dieses sonst eher dröge Thema so locker und spannend wie möglich zu gestalten. Und nur so viel sei verraten: Das haben sie mit Bravour geschafft! 😉

Danach übergab Frau Baumhöver das Wort an die vier Vortragenden, die uns durch den Mittwochabend führten: Andrea Seibert und Constanze Chory, Lizenzlerinnen bei dtv, Elisabeth Wiedemann aus dem Lizenzverkauf bei Piper und Alexander Klatt, verantwortlich für den Ein- und Verkauf bei Random House Audio.

Gleich zu Beginn hat Frau Seibert darauf hingewiesen, dass eine Rechteabteilung keine Rechtsabteilung ist und die meisten Lizenzler auch keine Juristen sind. Und mit einem Schmunzeln verkündet, dass man deshalb keine Juristen braucht. Die Mitarbeiter der Lizenzabteilung sind für den Ein- und Verkauf von Rechten zuständig und haben nebenbei eine Beratungsfunktion bei Fragen zum geliebten Urheberrecht.

Im Anschluss daran erklärte uns Frau Chory, was es mit dem Abdrucken auf sich hat. Selbst bei der Nutzung von Textauszügen und Illustrationen muss vorher um Erlaubnisgefragt werden. Klingt erstmal eher unspektakulär, doch auch hier gab es Überraschungen: Frau Chory erzählte uns von einer Anfrage, in der Buchzitate in massive Betontafeln eingestanzt werden sollten. Sie haben es natürlich erlaubt, aber verständlicherweise auf die Belegexemplare verzichtet…

Wenn schon der Abdruck von einzelnen Textstellen genehmigt werden muss, dann natürlich auch das Verwenden von ganzen Werken. Wie Frau Chory darlegte, gehören zu den Buchrechten neben Kürzungen auch der Liebling aller Lizenzler: enhanced eBooks. Mit all den Bildern, Links etc. ist es ein wahnsinniger Aufwand, für all das die Rechte einzuholen. Doch natürlich wird auch das gerne auf sich genommen, betont Frau Chory mit einem Zwinkern, denn schließlich liebe man ja Bücher.

IMG-20190508-WA0022-1

Hier eine grobe Übersicht, wie viel Arbeit dahintersteckt…

Auch die Audiorechte sind ein Teil des täglichen Geschäfts in der Lizenzabteilung. Dazu gehören Hörbücher ebenso wie Radiolesungen und Hörspiele, also alle Rechte an der Produktion an sich. Eigentlich ist es praktisch, wenn der Autor auch gleichzeitig Sprecher ist und somit sein eigenes Buch einsprechen kann. Wenn dieser während des Einsprechens sein Buch allerdings nochmal korrigiert, kann das für die Verlagsmitarbeiter ziemlich nervenaufreibend werden, wie Frau Wiedemann mit einem leichten Grinsen erzählte. Doch auch Herr Klatt konnte mit einer lustigen Anekdote aufwarten: Für „Die Bibliothek der Lyrikstimmen“ mussten sie genau 999 Einzelrechte einholen – die Königin der Lizenzblumen sozusagen.

Bücher gibt es allerdings nicht nur in einer Sprache. Deshalb gehören auch die Übersetzungsrechte zum täglichen Brot der Lizenzler. Dank des Urheberrechts sind Bücher weltweit geschützt – und diese Idee stammt von niemand anderem als dem bekannten Autor Victor Hugo selbst. Seit der Berner Übereinkunftund dem Welturheberrechtsabkommen sind Übersetzungen in Sprachen, Mundarten, Schriften etc. geschützt.

Jetzt aber erstmal genug von der ganzen Theorie! Das hatten sich die Vortragenden auch gedacht und den Abend mit einem lustigen Cover-Quiz aufgelockert.

Obwohl wir noch über die französische Brezn-Variante einer Dampfnudel aus dem Auslandscover- Quiz nachdenken und schmunzeln, wurde gleich zu einem weiteren großen Feld der Rechteverwertung übergeleitet. Was ist denn mit anderen Medien? Wie kommt das Buch auf die Bühne oder wie wird daraus ein Film?

IMG-20190508-WA0004

Die Bühnenrechte eines Werkes sind gar nicht so einfach zu schützen, wie man vielleicht denkt! Der Verlag habe nur geringe Möglichkeiten in Bühnenfassungen eines Buchs einzugreifen. Nur ganz am Anfang, wenn aus dem Buch ein Theaterstück wird, kann noch den Rechten nachgegangen werden. Ähnlich ist es auch bei Buchverfilmungen: „Der Autor gibt die Deutungshoheit ab“. Dennoch kommt es wohl immer wieder zu witzigen Beeinflussungen zwischen Film und Buch. Wenn (Neben-) Charaktere im Film länger leben dürfen oder früher sterben als gedacht, bekommen auch erfahrene Autor*innen neue Blickwinkel und Schreibimpulse

Allerdings seien Filmverträge sehr viel vielschichtiger als die typischen Verlagsverträge, da oft auch auf eine Weiterentwicklung des Stoffs gehofft wird. Also aufgepasst liebe Buchautoren!

IMG-20190508-WA0005

Ihr seht – das Thema Rechte und Lizenzen ist nicht einfach zu durchdringen… Egal ob Film oder Buch: Allein ein einziges Buchcover kann schon verschiedenste Rechte von unterschiedlichen Interessensgruppen tangieren. Vom Recht am eigenen Bild über Gemälde, die im Hintergrund zu sehen sind, bis hin zu Layout und Titel, wer kann da noch durchblicken?

Anscheinend ist es aber möglich, denn wir hatten sehr kompetente Hilfe und ohne juristische Vorkenntnisse können wir sagen: Wir verstehen das Universum der Rechte und Lizenzen jetzt ein großes Stück besser!

Zum Ende gab es noch einmal die „Rechte in a nutshell“, damit auch wirklich jeder in Zukunft weiß, wann was genutzt werden darf:

Jede*r der etwas erschafft, hat Anspruch darauf, dass er oder sie für die Nutzung und Verwertung seiner Schöpfung vergütet und anerkannt wird, aber auch, dass sie oder er die Weiterverarbeitung ablehnen kann!

Die Damen und Herren der Lizenzabteilungen betonten immer wieder, dass sie keine fiesen Geldeintreiber sind: „Wir sind Agenten des Werkes. […] Wir sind keine Juristen. […] Wir sind Leute, die mit Menschen können! Wir wollen, dass Werke honoriert werden! Denn das Wichtigste ist, dass wir alle vom Urheberrecht leben.“ Deswegen werde immer auf Augenhöhe und partnerschaftlich verhandelt und versucht, eine gemeinschaftliche Regelung bei Finanz- und Verwertungsfragen zu finden.

Wenn dann Anfragen zum Abdruck von Gedichten auf Wurstpapier kommen (siehe Titel der Veranstaltung), kann selbst der abgeklärteste Mitarbeiter in der Lizenz- und Rechteabteilung nur schmunzeln: „Manchmal besteht unsere Arbeit eher darin, den Leuten das Urheberrecht beizubringen…“ Das ist Ihnen mit der gestrigen Veranstaltung auf jeden Fall sehr unterhaltsam gelungen!

IMG-20190508-WA0007

Lecker wurde es natürlich auch noch!

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei der Verlagsgruppe Random House

„Cover, Poster, Social Media – Wie Leser*innen die Buchwerbung beeinflussen“: Einblicke in das Marketing von Seiten großer und kleiner Verlage sowie des Buchhandels

Wie finden wir Leser eigentlich unser nächstes Lieblingsbuch? Hat man es in einem Instagram-Post gesehen, Werbung dafür in einer Zeitschrift gelesen oder verlässt man sich doch lieber auf die Empfehlung der Buchhändler*in des Vertrauens? Auf irgendeine Weise müssen wir erst vom Buch erfahren, bevor wir es kaufen können. Welche Strategien können Verlage anwenden, um das zu erreichen?

Am Dienstagabend ging es bei der Verlagsgruppe Random House direkt weiter mit dem nächsten, spannenden Thema in der Woche der Münchner Verlage – dem Buchmarketing. Moderatorin Cornelia Zetzsche, Literaturredakteurin des Bayrischen Rundfunks, führte durchden Abend mit den Teilnehmerinnen Astrid Böhmisch, Marketingleiterin bei Piper, Verlegerin Julia Eisele vom gleichnamigen Eisele Verlag, Buchhändlerin Mechthild Heinen, zuständig für die Belletristik bei Lehmkuhl, sowie Sonja Assfalg, Werbeleiterin der Verlage cbj und cbt.

Zunächst führte Zetzsche mit einem zahlengespickten Überblick in die aktuellen Entwicklungen der Buchbranche ein: Das Buchgeschäft bricht ein und der Umsatz in der Belletristik ist um 11 % gesunken. Verheerend erscheinen vor allem der Käuferschwund von 6,4 Millionen in den letzten drei Jahren sowie der generelle Rückgang der Leser*innen. Auch das Verschwinden kleinerer Verlage und die Insolvenz des Zwischenbuchhändlers KNV geben zu denken. So verschieden die Verlage in ihrer Größe und Ausrichtung sind, so verschieden sind auch ihre Ansätze, mit den neuen Herausforderungen umzugehen.

„Man geht mit einer größeren Energie an die Aufgabe heran“, meinte Böhmisch.

Von einer Krise spräche man schließlich schon lange und man solle diese nicht als self-fulfilling prophecy immer weiter festigen. Jetzt gehe es schließlich darum, genau zu analysieren, woher der Kaufrückgang komme und Wege zu finden, neue Käufergruppen zu entdecken. Eisele brachte an, dass wir uns auf das besinnen sollten, was wir in Deutschland trotz aktueller Entwicklungen schon haben, nämlich eine gut ausgebaute Literaturlandschaft. Heinen fügte hinzu, dass auch der Buchhandel die Krise spüre, aber Lehmkuhl könne sich durch Präsenz, Service und Freundlichkeit vom Online-Buchhandel abheben und profitiere stark von der Treue der Stammkunden und guter Laufkundschaft. Cbt und cbj seien Sonderfälle, meinte Assfalg, da ihre Zielgruppe sich so schnell ändere und sie sich schon immer an neue Generation von Kindern und Eltern hätten anpassen müssen. Auf die Frage hin, in welche Zielgruppe Sie investiere, erklärte Böhmisch ihre Strategien: Um für jedes Programm Schwerpunkttitel festzulegen, muss eine Absatzschätzung erfolgen, die jeweils auf Autorenmarke und Thema beruht. Daran werden Marketingmaßnahmen geknüpft, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Manchmal werde auch bewusst mehr Energie aufgewandt, um neue, vielversprechende Autor*innen aufzubauen.

Am Anfang jeder Marketingstrategie stehen folgende Fragen: Wie kann der Titel im Markt positioniert werden? Welche Zielgruppe will man mit dem Titel erreichen und welche Kanäle können genutzt werden, um in der Zielgruppe eine gewisse Reichweite zu erlangen? Gezielte Maßnahmen können den nötigen Marketingdruck aufbauen, um die Erfolgschancen des Buchprojekts zu erhöhen.

Ein Beispiel aus dem Piper Verlag betrifft den in Schweden erfolgreichen Autor Niklas Natt och Dag mit seinem Kriminalroman 1793. Das Marketingteam des Verlags stand vor der Herausforderung, den Titel auf dem deutschen Markt zu etablieren. Dafür wurde eine Anzeige in einem bekannten Krimimagazin geschaltet. Gleichzeitig wurde auf Webseiten geworben, die von der großteils weiblichen Zielgruppe alltäglich aufgerufen werden, z. B. Spiegel Online und Chefkoch.

Doch nicht jeder Verlag verfügt über die finanziellen Mittel, um große Werbeanzeigen zu schalten. Verlegerin Julia Eisele geht das Thema Marketing daher ganz anders an.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die beste Werbung für ein gutes Buch ein gutes Buch ist.“

Sie setzt vor allem auf die Ausstattung und die Covergestaltung der Bücher. Jedes Cover ist einzigartig und wird mit viel Liebe zum Detail angefertigt. „Ich gebe nicht auf, bis ich das perfekte Cover habe. Manchmal braucht es eben auch 15 Versuche“, erzählte die Verlegerin. Leider bleibe nicht immer so viel Zeit für die Covergestaltung, sodass gerade in großen Verlagen nicht für jedes Buch das Optimum erreicht werden könne. Die Abteilungen seien häufig unterbesetzt. Bei der Coverpräsentation kommen Kollegen aus Vertrieb, Marketing und Lektorat zusammen. Deshalb gestalte sich eine Einigung oft schwierig und koste viel Zeit.

Teilweise beziehen Verlage auch die potenzielle Leserschaft mit ein, um die Covergestaltung zu testen, wie es im Rahmen des cbj Leseclubs passierte. Im geschilderten Beispiel bestanden die Kinder auf ein braunes statt ein weißes Einhorn, sodass der Verlag das geplante Cover änderte.

Egal ob großer oder kleiner Verlag, die sozialen Medien haben sich zu wichtigen Marketinginstrumenten entwickelt. Sonja Assfalg beobachtet, dass die Leser*innen im Bereich der Jugendliteratur vorwiegend über Instagram und Youtube zu erreichen sind – eine Anzeige in der Bravo sei nicht mehr so wirksam wie noch vor ein paar Jahren. Blogger*innen würden zu ernsthaften Kommunikationspartner*innen und die Leserschaft nehme in Communitys wie Lovelybooks oder Vorablesen eine Kritikerposition ein. Laut Böhmisch ginge es generell darum, klassische und neue Marketingkanäle zu verknüpfen und nicht in „Opposition“ zu sehen.

Doch egal wie gut sie geplant ist – eine Marketingkampagne führt nicht immer zu Erfolg. Sonja Assfalg erzählt, dass trotz großer Werbekampagnen und Anzeigen der erwartete Erfolg ausbleiben kann. So erging es dem Kinderbuch Mein Freund Button des Entertainers Ross Anthony: es konnten „nur“ 20 000 Exemplare verkauft werden – gemessen am Bekanntheitsgrad des Autors und den vielen ausverkauften Lesungen eine enttäuschende Zahl.

Aus Sicht der Buchhändlerin Heinen erweisen sich die klassischen Medien wie Rundfunk und Presse als ergiebige Kanäle. Im Vergleich zum direkten Umgang mit den Kunden könne die Medienwelt generell jedoch nicht mithalten, denn die persönliche Beratung wirke als bestes Marketinginstrument. Das Schaufenster als „Visitenkarte“ von Buchhandlungen werde daher mit viel Aufwand gestaltet, um die Menschen von der Straße in den Laden zu locken.

Doch Werbemaßnahmen zielen nicht nur auf die Endkundschaft ab. Zunächst müssen Verlage den Buchhandel von ihrem Programm überzeugen. Dies macht den Buchhandel zum „ersten und wichtigsten Kunden“, hebt Assfalg hervor. In diesem Zuge kommt das Podium auf die Vorschauen zu sprechen, die nun bei Random House auf digitale Versionen umgestellt werden, was bisher überwiegend positiv aufgenommen wurde. Begeisterung zeige sich angesichts der minimalistischen Unterlagen, die es stattdessen in gedruckter Form gibt. Denn was die meisten Händler wollten, seien „harte Fakten“. Laut Böhmisch sollte stets unter Betrachtung der Vorlieben der Buchhändler*innen das passende Material ausgewählt werden, um die Titel abnehmerfreundlich zu bewerben.

Dass die Beziehung zwischen Verlagen und Handel wichtig ist und tief wurzelt, wird in der Runde deutlich. Austausch und Vertrauen sehen alle als unabdingbare Elemente für erfolgreiche Zusammenarbeit an. Heinen äußert den Wunsch an die Verlage, zukünftig noch enger zu kooperieren und gerade in Bezug auf Marketing die Kommunikation zu stärken.

Der Grundstein dafür ist auf jeden Fall gelegt. Denn was alle Frauen auf der Bühne verbindet, stellt sich spätestens in der Endfragerunde heraus: Es sind der Spaß an ihrer Arbeit, die Mitgestaltung einer vielfältigen Branche und die Begeisterung, Bücher zu machen.

Abschließend nutzte das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven konnten wir einen vielfältigen Einblick in die Welt des Buchmarketing gewinnen.

Fazit des Abends: Trotz sich verändernder Strukturen auf dem Buchmarkt soll der Blick aufs Haben statt auf die Verluste gerichtet werden, eine Krise gibt es schließlich immer. Übrigens: Den Buchhandel gegen Online-Riesen zu unterstützen – auch eine gute Idee!

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur

„Wie entsteht eigentlich ein Buch ? Einblick in die Werkstatt der Buchherstellung.“ – Die Herstellung im Verlag als „work in progress“.

Droemer Knaur

Bücher. Sie sind einfach da. Jeder von uns hat eins (oder hoffentlich mehr) zu Hause, jeder hat bestimmt bereits Bücher verschenkt und war in einem Buchladen oder in einer Bibliothek. Doch wer hat sich schon einmal überlegt, wie genau ein Buch produziert wird? Schließlich fliegen die Texte und Buchstaben nicht einfach auf Papier!

Gestern Abend waren wir bei Droemer & Knaur zu Gast und durften einen Blick hinter die Kulissen der Buchherstellung werfen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Herstellungsleiter Norbert Stengelin und seiner gesamten Abteilung, wurden verschiedene Büros für Themenworkshops geöffnet.Von Raum zu Raum erklärten uns die zuständigen Kolleg*innen die verschiedenen Teilbereiche der Abteilung und beantworteten offen alle Fragen. Taucht mit uns in eine Welt aus Papier, Buchstaben, Farben, Bildern und Zahlen!

 

Layout & Schrift

Ist ein Buchstabe gleich ein Buchstabe?

Aus Textverarbeitungsprogrammen wissen wir, dass es abertausende Schriftarten gibt. Wie entscheidet ein Verlag, welche Schrift er für welches Buch verwendet? Auch wenn das für manche banal erscheint, ist es eine wichtige Überlegung. Denn verschiedene Schriftarten und Schriftschnitte können die Wirkung des selben Textes verändern – sprich nicht jede Schrift ist für jeden Text geeignet. Stellt euch vor, ein Drama oder eine wissenschaftliche Abhandlung in einer verspielten Schrift zu lesen – passt irgendwie nicht, oder? So variieren die Schriftvorlagen gängiger Buchformate von Genre zu Genre. Nicht zu vergessen ist die darauf abgestimmte Gesamtgestaltung der Seite.
Übrigens darf ein Verlag nur die Schriftarten nutzen, für die er die Lizenzen erworben hat.

Schrift

 

Von Manuskript zu den Ausgaben

Innovatives „Datei-Sharing“

Das Manuskript liegt vor, das Lektorat hat den Inhalt abgesegnet. Trotzdem müssen noch einige Sachen verändert und angepasst werden. In der Korrektur wird nicht nur die Grammatik, sondern auch die Rechtschreibung und die Zeichensetzung genaustens unter die Lupe genommen. Jeder externe/interne Mitarbeiter, der an dem Manuskript arbeitet, hat eine eigene Datei, sodass es eine Herausforderung ist, alle Einzeldokumente in einem Enddokument – ohne das etwas verloren geht – zusammenzuführen. Um dem zu entgehen, hat Droemer Knaur einen cleveren Trick parat! Eine Online-Datei, worauf alle Mitarbeiter zugreifen können, ohne sich tausend Namen wie „xy_neu“, „xy_neuer“ und „xy_am_ superneuesten“ zu überlegen…

 

Einkauf

Was passiert eigentlich im Einkauf?

Auch wenn der Name es vermuten lässt, wird in dieser Abteilung nicht nur geshoppt. Es geht von der Produktanlage „Wie soll das Buch später aussehen“ über die Erstellung eines Terminplans – bis hin zur Vergabe der Aufträge und der Rechnungskontrolle. D.h es wird nicht nur kalkuliert, sondern auch viel kommuniziert! Denn es müssen sämtliche anfallende Kosten für die Produktion des Buches in den anderen Abteilungen und von externen Dienstleistern eingeholt werden. Nur so kann eine möglichst realistische Verlagskalkulation erstellt werden. Meist bleibt es nicht bei einer Kalkulation, sogar das kleinste Detail, wie z.B ein Leseband, kann alles umwerfen. Wenn das Buch ein Jahr auf den Ladentischen liegt, zeigt sich bei der Nachkalkulation, wie gut die Hersteller geschätzt und eingekauft haben.

Kalkulation

 

Bildredaktion

Do`s & Dont´s in der Bildredaktion

Nicht nur Bilderbücher enthalten Bilder! In fasst jedem Buch sind Fotos, Grafiken und Illustrationen unverzichtbar. Dabei spielt nicht nur die Qualität der Bilder eine große Rolle, sondern auch die Beachtung der Persönlichkeitsrechte sowie die Klärung der Bildrechte. Denn ein Bild bei Google runterzuladen oder aus privaten Facebookaccounts zu kopieren und abzudrucken ist zwar sicherlich einfach, bringt den Verlag aber logischerweise in Schwierigkeiten. Wofür sonst gibt es professionelle Fotografen und Bildagenturen? Das könnten vielleicht auch manche Autoren berücksichtigen, die ein Selfie als geeignetes Autorenbild ansehen 😉
Hierzu gab es eine bühnenreife Präsentation bei Dromer Knaur:

Bildredaktion

 

Cover & Veredelung

Wenn U1, U2 & U3 keine U-Bahnlinien sind

Die Coverproduktion besteht nicht nur daraus, ein geeignetes Cover-Bild zu finden, sondern ist für die Gestaltung und Formatierung aller Umschlagelemente zuständig. Die Umschlagseite 1 (U1) ist dabei die Buchvorderseite, die Umschlagseite 2 (U2) der Buchrücken und die Umschlagseite 3 (U3) die Rückseite. Darauf werden noch Textelemente wie Titel, Autorenname und Verlagslogo etc. angeordnet, damit es ein Buch wird, so wie wir es aus unseren Bücherregalen kennen. Manche Bücher werden zusätzlich veredelt, um die Handlung oder den Titel eines Buches zu unterstreichen. Z.B. glänzende Überschriften, raues Papier, Leineneinbände…

Layout

 

Druck & Weiterverarbeitung

Was ist die komplizierteste Farbe beim Druck?

Nun kommt der Schritt, in dem das Buch greifbar wird. Die Druckdatei ist gesetzt, die Auflagenhöhe bestimmt, das Layout gewählt und die Bildrechte eingeholt. Nachdem alle vorangehenden Schritte das Buch theoretisch umsetzbar machen lassen haben, kommen beim Druck alle Komponenten zusammen und runden das Projekt ab. Dabei spielt die Auswahl von Papier, Farbe, Druckmaschine und der Bindung eine große Rolle. Vor allem die Farbe kann in der gedruckten Version für einen kleinen Schreck sorgen. Die kritischste Nuance ist die Hautfarbe – die kann nämlich sehr grotesk wirken!

Druck

Fazit:

Ein unvergesslicher Abend, bei dem die Zeit an den verschiedenen Stationen viel zu schnell vorbei ging! Wir bedanken uns sehr für die aufschlussreiche Veranstaltung, all die besonderen Eindrücke und natürlich die leckeren Snacks und ausgefallenen Getränke. Eine gelungene Fortsetzung zur Auftaktveranstaltung am Sonntag – und wir können gespannt sein, wie die „Woche der Münchner Verlage“ weiter geht!

Getränke

 

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch beim Carl Hanser Verlag

„Ich lass das jetzt so. Euphorie und Wahnsinn im Lektorat. Lageberichte“ – Ein Rückblick auf die Auftaktveranstaltung der WDMV 2019.

Das Lektorat – für viele Nachwuchskräfte der Buchbranche ein Traum, für viele andere ein großes Fragezeichen. „Was macht man denn da? Den ganzen Tag lesen?!“ … Diese oder so ähnliche Fragen wurden wohl schon den meisten Lektoren und Lektorinnen im Laufe ihrer Karriere gestellt. Und so ungern sie vielleicht zum wiederholten Mal darauf antworten, so lässt sich nicht leugnen, dass die Fragen durchaus ihre Berechtigung haben. Denn: Was macht man im Lektorat nun eigentlich? Liest man wirklich den ganzen Tag?

Zum Auftakt der diesjährigen Woche der Münchner Verlage haben sich gestern Abend fünf erfahrene Münchner Lektoren und Lektorinnen im Carl Hanser Verlag eingefunden, um allen Interessierten einen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Hierbei konnten sie nicht nur einige Vorurteile über ihren Job aus der Welt schaffen, sondern vor allem auch erzählen, was ihre Arbeit so einzigartig und besonders macht.


Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Verleger Jo Lendle zunächst die zahlreichen Gäste, die den Weg zum Hanser Literaturverlag gefunden hatten. Der Raum war gut gefüllt, jeder Platz war besetzt und die Gäste ließen sich sogar auf dem Boden nieder. Bei dem Verlagsgebäude handelt es sich um die ehemalige Privatvilla des Gründers Carl Hanser, der beschauliche Raum war einst das Schwimmbad der Familie.

„Niemand weiß, wie es in Verlagen aussieht. Das wollen wir ändern!“, erklärte Lendle die Idee hinter der Veranstaltungsreihe WDMV. Anschließend setzte er sich selbst auf den Fußboden und überließ seinen Kollegen das Wort.

Zu Gast waren Marion Kohler (Programmleiterin Literatur, Penguin Verlag), Martin Hielscher (Programmleiter Literatur, C.H.Beck Literatur), Günther Opitz (Lektor deutschsprachige Literatur, dtv Verlagsgesellschaft), Piero Salabè (Lektor internationale Literatur, Hanser Verlag) und Andrea Müller (Programmleiterin Unterhaltung, Piper Verlag). Moderiert wurde das Gespräch von Knut Cordsen (Bayerischer Rundfunk). Auf dessen erste Frage, ob der bittere Vorwurf, Lektoren seien nur „verhinderte Schriftsteller“, wahr sei, entgegnete Müller bloß lächelnd: „Es macht Spaß, dem Buch von jemand anderem auf die Welt zu helfen“. Selbst zum Schreiben berufen fühlte sich laut eigenen Aussagen keiner der fünf.

Danach drehte sich das Gespräch zunächst um den Arbeitsalltag im Lektorat. Gemütlich mit einer Tasse Tee im Sessel sitzen und acht Stunden lesen? Schön wär‘s! Der Verlagsalltag sei gut strukturiert, erklärte Kohler. Sitzungen müssten vorbereitet und abgehalten werden, Buchprojekte geplant, Marketingmaßnahmen entwickelt und Klappentexte geschrieben … Zeit zum Lesen bliebe so eigentlich nur nach Feierabend und am Wochenende.

Lesestoff in die Hände zu bekommen, scheint jedoch alles andere als ein Problem zu sein: Im Meer der Manuskripte das Passende zu finden, das sei laut Salabè die wahre Schwierigkeit – und seine Kollegen stimmen ihm zu:

„Das Problem ist nicht an Manuskripte zu kommen, das Problem ist, die Edelsteine zu finden“, so Müller.

Die erfahrenen Buchmenschen nahmen sich freundlicherweise immer wieder die Zeit, die Abläufe bei der Entstehung eines Buchs für alle Branchenexternen im Publikum ausführlich zu erklären: So gingen sie zum Beispiel auf den Weg des Manuskripts in den Verlag ein (hier herrschte die Meinung vor, dass der Weg über einen Literaturagenten als Vermittlerinstanz meist sinnvoller sei als das selbstständig eingesandte Manuskript an mehrere Verlage) und berichteten von missglückten Auktionen, bei denen ein anderer Verlag ein höheres Angebot gemacht hat und ein begehrtes Manuskript an ein fremdes Haus gegangen ist. 

In diesem Zuge erzählten die Anwesenden auch von möglichen Fehleinschätzungen: Auch wenn ihr Gespür für vielversprechende Texte die Lektoren und Lektorinnen auszeichnet, sind selbst die Erfahrensten nicht davor sicher, mit ihrer Einschätzung mal falsch zu liegen. „Jeder, der das länger macht, hat wahrscheinlich mal einen Bestseller abgelehnt“, so Müller. Und auch Erfolge lassen sich kaum planen:

„Sicher ist man nie, man kann nur seinem Bauchgefühl folgen“.

Und selbst wenn man dann alle Hürden bis zur Veröffentlichung überwunden hat, ist noch nichts gewonnen. Vertreter und Buchhändler müssen noch überzeugt werden – denn: „Man muss die Bücher auch in den Laden bekommen, sonst hat man schon verloren“ (Opitz). Und dann folgt auch schon die nächste Zitterpartie: Gefällt das Buch den Lesern? Wie fallen die Kritiken aus?

Trotz der Unsicherheiten und Schwierigkeiten, die mit neuen Buchprojekten häufig kommen, schienen die anwesenden Lektoren und Lektorinnen sehr glücklich mit ihrer Berufswahl zu sein. Neben ihren Ausführungen zu typischen Abläufen und möglichen Hürden kam das Gespräch immer wieder auf die besonderen, wertvollen Aufgaben und Momente der Arbeit zurück: Man sei auch dafür da, den Autor an die Idee eines Textes zu erinnern, sollte er diese mal aus den Augen verlieren. Man versuche, das Beste aus einem Werk herauszuholen, ohne dabei zu dominant aufzutreten. Man sei der „Schutzpatron“ des Werks, in manchen Fällen sogar ein enger Vertrauter für die Autoren. Dies kann ganz unterschiedliche Formen annehmen: Opitz erzählte von einem Kollegen, der sogar zum Sargträger eines Autors geworden sei, während Hielscher kürzlich darum gebeten wurde, ein Sky-Abo für einen Autor einzurichten, den er betreut. Dieser wollte die Champions League verfolgen.

Immer wieder betonten die fünf erfolgreichen Lektoren und Lektorinnen im Gespräch, wie wichtig die menschliche Komponente in ihrem Beruf sei … Wie entscheidend Fingerspitzengefühl, Respekt und Vertrauen für das Verhältnis zwischen Lektor und Autor. Die Nähe sei oft schön, doch auch anstrengend. Denn nicht nur Erfolge werden geteilt, sondern auch Misserfolge und Frust. Der Lektor tritt häufig als Betreuer auf. „In Guten wie in schlechten Zeiten“, sagte Hielscher dazu und das Publikum lachte.

Soweit es sich nach dem gestrigen Abend von unserer Seite aus beurteilen lässt, fasst dieser Ausdruck die Freuden und Tücken des Lektorats sehr treffend zusammen: Ein Auf und Ab der Gefühle! Oder, um es im Wortlaut des Veranstaltungsnamen zu sagen: „Euphorie und Wahnsinn im Lektorat“ …  

Es bleibt festzuhalten, dass die Auftaktveranstaltung der Woche der Münchner Verlage wirklich sehr gelungen ist! Wir hatten einen schönen Abend im Carl Hanser Verlag, haben dem Gespräch interessiert gelauscht und viel mitgenommen – vor allem viele schöne Zitate über die Bücherwelt und das Lektorat. Dass dem Publikum am Ende Zeit gegeben wurde, seine Fragen an die Lektoren und Lektorinnen zu richten, hat uns gut gefallen – ganz im Sinne der Idee von „Verlage besuchen“ und der WDMV. Nun wird hoffentlich keiner der gestern Anwesenden mehr fragen, ob Lektoren und Lektorinnen den ganzen Tag nur lesen! Wir bedanken uns bei den Mitwirkenden für die tolle Veranstaltung und beim Carl Hanser Verlag ganz besonders, auch für Brezeln und Wein. Wenn es so weitergeht, wird das eine super Woche!