Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch beim Piper Verlag

Wie kommt das Buch zum Leser ? Die Welt des Vertriebs. – Warum Vertrieb mehr ist als Logistik.

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Die Woche der Münchner Verlage neigt sich langsam dem Ende zu. Bisher durften wir erfahren, wie sich ein Manuskript seinen Weg durch die verschieden Bereiche im Verlag bahnt. Nun sind wir an der letzten Station angekommen und hier stellt sich eine grundlegende Frage: Wie kommt denn nun das frisch gedruckte Buch auf die Ladentische der Buchhandlungen?

Gestern Abend waren wir zu Gast beim Piper Verlag, bei der genau diese Frage von Expertinnen aus der Vertriebswelt beantwortet wurde. Mit dabei waren Sabrina Lessnig (Vertriebsleitung Piper), Anke Hardt (Vertriebsleitung dtv), Bettina Schubert (Vertriebsleitung Hanser Literaturverlag) und Heide Warkentin (Vertriebsleitung Claudius Verlag). Drei große Publikumsverlage teiltensich die Bühne mit einem spirituellen Special-Interest-Verlag. Die Moderation übernahm wie am Vorabend Dieter Heß vom BR.

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Felicitas von Lovenberg, verlegerische Geschäftsführerin des Piper Verlags, ergriff das erste Wort und hieß alle Anwesenden in den Räumlichkeiten des Verlages im Herzen Münchens willkommen. Anschließend stellte Herr Heß das Motto des Abends vor: “Der Zauber der Handelsader”. Für viele sei der Vertrieb selbstverständlich, da nicht ersichtlich ist was sich hinter den Kulissen abspielt. 

“Es ist eine falsche Meinung, dass die Arbeit der Vertriebler erst los geht wenn ein Buch gedruckt ist” (Dieter Heß)

Ziel des Abends sei es, genau diese Mysterien aufzuklären und den nicht immer ersichtlichen Zauber der Handelsadern aufzuspüren.

Die Betreuung der verschiedenen Kund*innen ist eine der Hauptaufgaben des Vertriebs. Mit Kund*innen sind in diesem Fall die Bucheinzelhändler*innen und Filialisten gemeint und noch nicht der oder die Leser*in als Endkund*in. Große Ketten bekommen nicht nur die Programmvorschau zugeschickt, sondern auch personalisierte Unterlagen, die Frau Lessing als “Liebesmühe” bezeichnet. Besonders die Kaufmengen dieser Konzerne lassen wohl das Vertrieblerherz höher schlagen.
Auch die kleineren Buchhandlungen bleiben nicht außen vor: Vertreter*innen betreuen diese persönlich vor Ort, da sie nicht nur die Ladenausstattung kennen sondern auch wissen welches Klientel dort einkauft und welche Bücher dementsprechend individuell in das jeweilige Sortiment passen.

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“Kundenkenntnis ist das wovon wir Vertriebler leben” ,

meint Frau Hardt von dtv. Genau diese Kenntnis schafft das nötige Vertrauen, dem oder der Kund*in nicht nur willkürlich die Ware auf’s Auge zu drücken. Denn laut Schubert will man gar nicht nicht alles in Massen verkaufen, sonst erhöht sich das Risiko Vieles als Remittenden zurück zu erhalten. Manchmal muss sie sich gegen die Meinung von Verlagsleitung oder Lektorat stellen um eine unwirtschaftliche Beratung zu vermeiden und eine realistische Einschätzung zu garantieren.

“Wir wollen die Bücher erfolgreich verkaufen, aber dabei glaubwürdig bleiben”,

so Frau Hardt. Eine ähnliche Moral sei im Umgang mit der Auflagenkalkulation notwendig.

Der Show-down der Vertriebsarbeit ist die Vertretertagung, die zweimal im Jahr stattfindet. Dabei sollen die Vertreter*innen heiß auf die neuen Titel gemacht werden um diese dann in ganz Deutschland in den Regalen der Buchhandlungen unterzubringen. Die Meinung und das Know-How der Außendienstler*innen wird auch häufig in die internen Prozesse mit einbezogen, denn sie sind Augen und Ohren des Verlages auf dem Markt. Sie liefern wichtige Rückmeldungen und Einschatzungen, die den Schaffensprozess durchaus beeinflussen können.

“Vertreter sind Leser und Verkäufer in einem” (Sabrina Lessnig)

Dann wollte der Moderator Herr Heß es genau wissen: Was ist eigentlich der Zwischenbuchhandel? Barsortiment? Großhandel?

Frau Hardt beschreibt es als die Nahversorgung des stationären Buchhandels. So wie im Apothekensystem können Leser*innen in deutschen Buchhandlungen bestellen und das Buch kann bereits am nächsten Morgen im Geschäft abgeholt werden. Damit ist das Barsortiment ein großes Effizienzinstrument. Frau Warkentin ergänzt:

“Ein einzigartiges System – es ist toll was für die Kultur getan wird”

Nun ist es endlich geschafft, das Buch ist verkaufsbereit im Laden. Doch wie kann es bestmöglich präsentiert werden? Der Platz auf dem Ladentisch ist heiß begehrt, doch keine Garantie. Frau Hardt spricht aus Erfahrung: “Es verreckt Ihnen auch ein Titel auf dem Stapel”. Mit einigen Lachern im Publikum konnte so die Fragerunde eingeleitet werden, was das Publikum interessiert nutzte.

“Ich hoffe Sie haben den Zauber der Handelswege gespürt!” Damit entlässt uns Herr Heß in das Ende einer ereignisreichen Woche. Und wir entlassen euch mit den Worten, mit denen Frau von Lovenberg die Veranstaltung eingeleitet hat:

“Glück kann man nicht kaufen, Bücher aber schon!”

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Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei C.H. Beck

 

IMG_20190510_135720Wie weckt man in Zeiten einer sich permanent wandelnden Medienlandschaft breiteres Interesse an einem der jährlich rund 70.000 neuen Bücher?

Tag 6 des Verlagsmarathons, heute sind wir bei C.H. Beck in Schwabing zu Gast. Das Thema: Presse-und Veranstaltungsarbeit. Mit dabei sind vier erfahrene Pressefrauen und -männer, die uns anhand von spannenden Anekdoten und Erzählungen ihren beruflichen Alltag ein wenig näherbringen. Die Begrüßung erfolgt durch Jonathan Beck, den Hausherren aus der inzwischen siebten Verlegergeneration. Dieter Heß, der Moderator des heutigen Abends, stellt die Gäste vor. Elisabeth Braune ist bei der Mixtvision Mediengesellschaft für Presse und Kommunikation zuständig, Christina Knecht leitet die Presseabteilung im Hanser Literaturverlag. Aus dem eigenen Haus ist Ulrike Wegner dabei, sie leitet die Presse- und Lizenzabteilung Literatur – Sachbuch – Wissenschaft bei C.H. Beck. Der einzige Mann der Runde kommt von dtv, Thomas Zirnbauer ist dort für die Pressearbeit des Literaturprogramms verantwortlich.

Wie schafft man es, Aufmerksamkeit für die verlagseigenen Bücher zu wecken, bei einer unglaublichen Menge von 70.000 Neuerscheinungen im Jahr?! Pressearbeit braucht Leidenschaft, Lust an der Literatur und am Lesen und jede Menge Durchhaltevermögen. Eine kleine Demonstration hilft dabei vielleicht: Wer kennt den Bestsellerautoren Yval Noah Harari? Viele, ganz klar. Auch Angela Merkel! Ulrike Wegener erzählt die Anekdote, die titelgebend für den Abend ist: 2018 stellt sich die vielbeschäftigte Bundeskanzlerin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos selbst dem Autor vor, nicht umgekehrt, und spricht ihm ihre Bewunderung und Anerkennung aus. Aber warum und woher kennt man einen Autor oder ein Buch eigentlich? Genau das ist der Erfolg von gelungener Pressearbeit!

Aber von Anfang an. Was genau ist Pressearbeit und wann beginnt sie? Bereits bei der Akquise neuer Titel wird die Presseabteilung teilweise schon nach einer Einschätzung gefragt, berichtet Ulrike Wegener. Denn bei der Vertreterversammlung, der Vorstellung des neuen Programms für die Vertreter und den Buchhandel, sollte die Presseabteilung schon eine Position zu den Titeln haben. Die Ideen entstehen dann peu à peu in einem langwierigen Sammelprozess. Dabei wird überlegt, welche Verknüpfungspunkte oder aktuelle Anlässe es für ein Buch geben kann, zum Beispiel Jahrestage oder politische Ereignisse. Hier wird in den Abteilungen überlegt, welcher Rezensent für einen Titel in Frage kommt, denn der „richtige“ Rezensent für eine möglichst positive und breit gestreute Besprechung ist ein wichtiger Faktor. Sobald das Buch dann vorliegt, werden fleißig Rezensionsexemplare verschickt, Interviews vermittelt und Veranstaltungen geplant.

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Das Buch braucht Zuwendung im Haifischbecken namens Buchmarkt.

Die klassische Lesereise gehört mit zur Pressearbeit und bietet sich vor allem dann an, wenn der Autor gerne mitspielt. So der Fall bei T.C. Boyle, Bestsellerautor bei Hanser, der immer gerne nach Deutschland reist. Christina Knecht berichtet von einer aufwendigen Lesereise über zwei Wochen mit acht Stationen, unzähligen Interviews für Zeitung, Radio und TV. Als wäre dies noch nicht Organisationsaufwand genug, machte bei dieser Lesereise im Speziellen nicht nur das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung: Gecancelte Flügen, gesperrte Kreditkarten und technische Störungen bei der Deutschen Bahn bringen selbst eine erfahrene Pressefrau ins Schwitzen.

Doch die Pressearbeit als Ganzes wandelt sich. Rezensionsexemplare werden digital verschickt, Inhalte werden mehr und mehr auf digitalen Endgeräten gelesen. Der Trend geht zu kürzeren Buchtipps, ausführliche Rezensionen schaffen es immer seltener in die Tageszeitungen. Redaktionen werden zusammengelegt und Super-Rezensenten gewinnen an Macht. Hier muss man sich auf neue Blickweisen einlassen, meint Thomas Zirnbauer. Pressearbeit hat sich zu Medienarbeit entwickelt, ist komplexer und kleinteiliger geworden, aber auch umso vielseitiger. Ein großer Vorteil ist es, dass die digitale Entwicklung näher an den Leser heranführt und es beispielsweise erlaubt, den Endkunden im Netz direkt anzusprechen.
Bei Mixtvision, die schon dem Namen nach eine Mediengesellschaft ist, weist auch die Struktur auf eine große digitale Ausrichtung hin. Neben dem Verlag, der Kinder- und Jugendbücher, Bilderbücher und besondere Bücher publiziert, existieren die beiden Unternehmensbereiche Film und App. Die Abteilungen müssen sich absprechen und ihre Kontakte bündeln, um vom Inhalt aus zu denken und die Geschichte bekannt zu machen, berichtet Elisabeth Braune. Ein Beispiel dieser crossmedialen Strategie ist der Titel Mr. Griswolds Bücherjagd aus dem Jahr 2018. Auch hier wurden klassisch Rezensionsexemplare verschickt, vor allem an jugendliche Testleser. Gleichzeitig wurde jedoch auch ein Filmtrailer gedreht und eine Onlinekampagne gestartet: eine Kooperation mit Lovely Books, bei der Buchblogger selbst Bücher versteckten und eine Bücherjagd initiierten. Um diese ‚literarische Schnitzeljagd‘ noch erfahrbarer zu gestalten, wurde außerdem ein Veranstaltungskonzept für Buchhandlungen, Lesefestivals und Büchereien entwickelt, und anlässlich der Veröffentlichung des 3. Bandes erscheint auch eine zugehörige App.

Leider gibt es aus der Welt der PR aber nicht nur Erfolgsstories zu erzählen – zur Pressearbeit gehören auch Komplikationen und Misserfolge, wovon jeder der Anwesenden zu berichten weiß. Dabei ist dann vor allem Einfühlungsvermögen gefragt: Mit viel Hoffnung und Leidenschaft geht man ins neue Programm, aber es kann natürlich nicht jedes Buch zu dem Erfolgstitel werden, den sich Pressemitarbeiter und Autor wünschen. Die Kommunikation von Misserfolgen avanciert daher manchmal zum Drahtseilakt, da man einerseits auf eine aufrichtige Kommunikation auf Augenhöhe setzt, andererseits aber auch niemanden verletzten will. „Eine therapeutische Zusatzausbildung schadet als Pressefrau auf jeden Fall nicht“, so Ulrike Wegner, denn:

„(w)ir haben mit Menschen zu tun, nicht mir Schuhkartons.“

Authentisch und auch selbstkritisch berichten die Anwesenden darüber, was bei der Pressearbeit alles schieflaufen kann: Mal verstreicht bei einem erfolgsversprechenden Making-of-Buch zu einem prominenten Film der richtige Zeitpunkt: Der Film erscheint, aber das Buch ist noch nicht fertig. Damit ist der Anknüpfungspunkt der Filmpremiere nicht mehr vorhanden, was für die Pressearbeit erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Oder aber die Rezensentin ist wider allen Erwartens leider nicht so begeistert vom Buch wie gedacht, was eine Welle negativer Berichterstattung auf vielen Kanälen mit sich führt. Thomas Zirnbauer weiß, dass es nicht immer katastrophale Wetterbedingungen wie im Falle Boyle sein müssen, die ein Werbeevent zur Herausforderung gestalten: Es kann auch einfach mal passieren, dass Autoren, fest als Diskussionsteilnehmer eingeplant, im letzten Moment kalte Füße bekommen! Neben Organisationstalent ist also auch viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Die anschließenden Fragen aus dem Publikum werfen weitere Problemfelder der Pressearbeit auf: Was tut die professionelle Pressefrau (oder der professionelle Pressemann), wenn der Titel, der beworben werden soll, selbst vielleicht gar nicht so gut gefällt? Während ehrliche Kommunikation natürlich auch in solchen Fällen wichtig ist, hilft es, sich die jeweilige Zielgruppe vor Augen zu halten, so Hr. Zirnbauer. „Wir verkaufen die Bücher nicht, wir wecken Interesse“ fügt Christina Knecht hinzu.
Und was ist mit Autoren, die sich komplett aus dem Scheinwerferlicht heraushalten möchten? „Es ist absolut unsinnvoll, einen Autor zu etwas zu drängen, was er nicht möchte“, so die Pressefrau des Hanser Verlags. Die PR ist schließlich auch dazu da, die Bücher und deren Inhalte selbst sprechen zu lassen. Übrigens kann in manchen Fällen sogar der Erfolg eines Autors selbst zum Problem werden: Neben des ausgebuchten Terminplans kann es auch passieren, dass eine Zeitung nach dem fünften Bestseller nicht das fünfte Interview abdrucken will – das Luxusproblem der Übersättigung. Hier ist dann Kreativität gefragt, sowie die Bereitschaft, auch unkonventionelle Kanäle zu nutzen.

Anschließend an die Fragerunde haben die Gäste bei Häppchen und Wein die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit der ein oder anderen übriggebliebenen Frage an die Pressebeauftragten zu wenden.
Wir erlebten die Veranstaltung bei C.H. Beck als einen informativen, gelungenen Abend voll von lustigen Anekdoten und ehrlichen Einblicken in die Welt der Presse.

Einen herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Organisatoren!

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei dtv

„Wie kommt Mascha Kaléko aufs Feinkostpapier?“: Ein Einblick in die wilde Welt der Lizenzen

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„Wilde Welt“und „Lizenzen“– das scheint auf den ersten Blick nicht so richtig zusammenzupassen. Lizenzen sind doch eher trocken und langweilig, oder? Man verhandelt stundenlang über die Nutzung der Rechte und kämpft sich durch den Vertrags-Dschungel… Von wegen! Man kann mit Lizenzen eine ganze Menge Spaß haben! 😊

Um uns das zu beweisen, gab es gestern unter anderem ein kleines Cover-Quiz mit allen möglichen und unmöglichen Varianten. Dabei konnten wir es selbst kaum glauben, wie anders die Lizenzcovers im Ausland manchmal gestaltet sind und was dabei alles schiefgehen kann. Aber seht selbst:

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Copyright by dtv

 

Dieses Cover kennt vermutlich jeder. Aber wisst ihr auch, wie das gleiche Buch in Frankreich aussieht?

 

 

Das dürfen wir euch nur leider nicht direkt zeigen, wie wir gestern gelernt haben – Copyright und so… Deshalb klickt einfach auf diesen Link und macht euch selbst ein Bild davon!

 

 

Die wilde Welt der Covers bietet wirklich einige Überraschungen! Oder hättet ihr die französische Ausgabe sofort erkannt? Doch die Buchcovers waren nur ein kleiner Teil des gestrigen Vortrags, der uns eine spannende Einführung in den Bereich Lizenzen gegeben hat.

Der Abend begann mit einer Begrüßung der Verlegerin von dtv, Claudia Baumhöver, die uns herzlich und anekdotenreich willkommen hieß. Sie gab ganz offen zu, dass dtv bei der Vergabe der Themen nicht anwesend war – und prompt den Bereich Lizenzen aufs Auge gedrückt bekam. Das weckte erst recht den Ehrgeiz von ihr und ihrem Team, dieses sonst eher dröge Thema so locker und spannend wie möglich zu gestalten. Und nur so viel sei verraten: Das haben sie mit Bravour geschafft! 😉

Danach übergab Frau Baumhöver das Wort an die vier Vortragenden, die uns durch den Mittwochabend führten: Andrea Seibert und Constanze Chory, Lizenzlerinnen bei dtv, Elisabeth Wiedemann aus dem Lizenzverkauf bei Piper und Alexander Klatt, verantwortlich für den Ein- und Verkauf bei Random House Audio.

Gleich zu Beginn hat Frau Seibert darauf hingewiesen, dass eine Rechteabteilung keine Rechtsabteilung ist und die meisten Lizenzler auch keine Juristen sind. Und mit einem Schmunzeln verkündet, dass man deshalb keine Juristen braucht. Die Mitarbeiter der Lizenzabteilung sind für den Ein- und Verkauf von Rechten zuständig und haben nebenbei eine Beratungsfunktion bei Fragen zum geliebten Urheberrecht.

Im Anschluss daran erklärte uns Frau Chory, was es mit dem Abdrucken auf sich hat. Selbst bei der Nutzung von Textauszügen und Illustrationen muss vorher um Erlaubnisgefragt werden. Klingt erstmal eher unspektakulär, doch auch hier gab es Überraschungen: Frau Chory erzählte uns von einer Anfrage, in der Buchzitate in massive Betontafeln eingestanzt werden sollten. Sie haben es natürlich erlaubt, aber verständlicherweise auf die Belegexemplare verzichtet…

Wenn schon der Abdruck von einzelnen Textstellen genehmigt werden muss, dann natürlich auch das Verwenden von ganzen Werken. Wie Frau Chory darlegte, gehören zu den Buchrechten neben Kürzungen auch der Liebling aller Lizenzler: enhanced eBooks. Mit all den Bildern, Links etc. ist es ein wahnsinniger Aufwand, für all das die Rechte einzuholen. Doch natürlich wird auch das gerne auf sich genommen, betont Frau Chory mit einem Zwinkern, denn schließlich liebe man ja Bücher.

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Hier eine grobe Übersicht, wie viel Arbeit dahintersteckt…

Auch die Audiorechte sind ein Teil des täglichen Geschäfts in der Lizenzabteilung. Dazu gehören Hörbücher ebenso wie Radiolesungen und Hörspiele, also alle Rechte an der Produktion an sich. Eigentlich ist es praktisch, wenn der Autor auch gleichzeitig Sprecher ist und somit sein eigenes Buch einsprechen kann. Wenn dieser während des Einsprechens sein Buch allerdings nochmal korrigiert, kann das für die Verlagsmitarbeiter ziemlich nervenaufreibend werden, wie Frau Wiedemann mit einem leichten Grinsen erzählte. Doch auch Herr Klatt konnte mit einer lustigen Anekdote aufwarten: Für „Die Bibliothek der Lyrikstimmen“ mussten sie genau 999 Einzelrechte einholen – die Königin der Lizenzblumen sozusagen.

Bücher gibt es allerdings nicht nur in einer Sprache. Deshalb gehören auch die Übersetzungsrechte zum täglichen Brot der Lizenzler. Dank des Urheberrechts sind Bücher weltweit geschützt – und diese Idee stammt von niemand anderem als dem bekannten Autor Victor Hugo selbst. Seit der Berner Übereinkunftund dem Welturheberrechtsabkommen sind Übersetzungen in Sprachen, Mundarten, Schriften etc. geschützt.

Jetzt aber erstmal genug von der ganzen Theorie! Das hatten sich die Vortragenden auch gedacht und den Abend mit einem lustigen Cover-Quiz aufgelockert.

Obwohl wir noch über die französische Brezn-Variante einer Dampfnudel aus dem Auslandscover- Quiz nachdenken und schmunzeln, wurde gleich zu einem weiteren großen Feld der Rechteverwertung übergeleitet. Was ist denn mit anderen Medien? Wie kommt das Buch auf die Bühne oder wie wird daraus ein Film?

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Die Bühnenrechte eines Werkes sind gar nicht so einfach zu schützen, wie man vielleicht denkt! Der Verlag habe nur geringe Möglichkeiten in Bühnenfassungen eines Buchs einzugreifen. Nur ganz am Anfang, wenn aus dem Buch ein Theaterstück wird, kann noch den Rechten nachgegangen werden. Ähnlich ist es auch bei Buchverfilmungen: „Der Autor gibt die Deutungshoheit ab“. Dennoch kommt es wohl immer wieder zu witzigen Beeinflussungen zwischen Film und Buch. Wenn (Neben-) Charaktere im Film länger leben dürfen oder früher sterben als gedacht, bekommen auch erfahrene Autor*innen neue Blickwinkel und Schreibimpulse

Allerdings seien Filmverträge sehr viel vielschichtiger als die typischen Verlagsverträge, da oft auch auf eine Weiterentwicklung des Stoffs gehofft wird. Also aufgepasst liebe Buchautoren!

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Ihr seht – das Thema Rechte und Lizenzen ist nicht einfach zu durchdringen… Egal ob Film oder Buch: Allein ein einziges Buchcover kann schon verschiedenste Rechte von unterschiedlichen Interessensgruppen tangieren. Vom Recht am eigenen Bild über Gemälde, die im Hintergrund zu sehen sind, bis hin zu Layout und Titel, wer kann da noch durchblicken?

Anscheinend ist es aber möglich, denn wir hatten sehr kompetente Hilfe und ohne juristische Vorkenntnisse können wir sagen: Wir verstehen das Universum der Rechte und Lizenzen jetzt ein großes Stück besser!

Zum Ende gab es noch einmal die „Rechte in a nutshell“, damit auch wirklich jeder in Zukunft weiß, wann was genutzt werden darf:

Jede*r der etwas erschafft, hat Anspruch darauf, dass er oder sie für die Nutzung und Verwertung seiner Schöpfung vergütet und anerkannt wird, aber auch, dass sie oder er die Weiterverarbeitung ablehnen kann!

Die Damen und Herren der Lizenzabteilungen betonten immer wieder, dass sie keine fiesen Geldeintreiber sind: „Wir sind Agenten des Werkes. […] Wir sind keine Juristen. […] Wir sind Leute, die mit Menschen können! Wir wollen, dass Werke honoriert werden! Denn das Wichtigste ist, dass wir alle vom Urheberrecht leben.“ Deswegen werde immer auf Augenhöhe und partnerschaftlich verhandelt und versucht, eine gemeinschaftliche Regelung bei Finanz- und Verwertungsfragen zu finden.

Wenn dann Anfragen zum Abdruck von Gedichten auf Wurstpapier kommen (siehe Titel der Veranstaltung), kann selbst der abgeklärteste Mitarbeiter in der Lizenz- und Rechteabteilung nur schmunzeln: „Manchmal besteht unsere Arbeit eher darin, den Leuten das Urheberrecht beizubringen…“ Das ist Ihnen mit der gestrigen Veranstaltung auf jeden Fall sehr unterhaltsam gelungen!

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Lecker wurde es natürlich auch noch!

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei der Verlagsgruppe Random House

„Cover, Poster, Social Media – Wie Leser*innen die Buchwerbung beeinflussen“: Einblicke in das Marketing von Seiten großer und kleiner Verlage sowie des Buchhandels

Wie finden wir Leser eigentlich unser nächstes Lieblingsbuch? Hat man es in einem Instagram-Post gesehen, Werbung dafür in einer Zeitschrift gelesen oder verlässt man sich doch lieber auf die Empfehlung der Buchhändler*in des Vertrauens? Auf irgendeine Weise müssen wir erst vom Buch erfahren, bevor wir es kaufen können. Welche Strategien können Verlage anwenden, um das zu erreichen?

Am Dienstagabend ging es bei der Verlagsgruppe Random House direkt weiter mit dem nächsten, spannenden Thema in der Woche der Münchner Verlage – dem Buchmarketing. Moderatorin Cornelia Zetzsche, Literaturredakteurin des Bayrischen Rundfunks, führte durchden Abend mit den Teilnehmerinnen Astrid Böhmisch, Marketingleiterin bei Piper, Verlegerin Julia Eisele vom gleichnamigen Eisele Verlag, Buchhändlerin Mechthild Heinen, zuständig für die Belletristik bei Lehmkuhl, sowie Sonja Assfalg, Werbeleiterin der Verlage cbj und cbt.

Zunächst führte Zetzsche mit einem zahlengespickten Überblick in die aktuellen Entwicklungen der Buchbranche ein: Das Buchgeschäft bricht ein und der Umsatz in der Belletristik ist um 11 % gesunken. Verheerend erscheinen vor allem der Käuferschwund von 6,4 Millionen in den letzten drei Jahren sowie der generelle Rückgang der Leser*innen. Auch das Verschwinden kleinerer Verlage und die Insolvenz des Zwischenbuchhändlers KNV geben zu denken. So verschieden die Verlage in ihrer Größe und Ausrichtung sind, so verschieden sind auch ihre Ansätze, mit den neuen Herausforderungen umzugehen.

„Man geht mit einer größeren Energie an die Aufgabe heran“, meinte Böhmisch.

Von einer Krise spräche man schließlich schon lange und man solle diese nicht als self-fulfilling prophecy immer weiter festigen. Jetzt gehe es schließlich darum, genau zu analysieren, woher der Kaufrückgang komme und Wege zu finden, neue Käufergruppen zu entdecken. Eisele brachte an, dass wir uns auf das besinnen sollten, was wir in Deutschland trotz aktueller Entwicklungen schon haben, nämlich eine gut ausgebaute Literaturlandschaft. Heinen fügte hinzu, dass auch der Buchhandel die Krise spüre, aber Lehmkuhl könne sich durch Präsenz, Service und Freundlichkeit vom Online-Buchhandel abheben und profitiere stark von der Treue der Stammkunden und guter Laufkundschaft. Cbt und cbj seien Sonderfälle, meinte Assfalg, da ihre Zielgruppe sich so schnell ändere und sie sich schon immer an neue Generation von Kindern und Eltern hätten anpassen müssen. Auf die Frage hin, in welche Zielgruppe Sie investiere, erklärte Böhmisch ihre Strategien: Um für jedes Programm Schwerpunkttitel festzulegen, muss eine Absatzschätzung erfolgen, die jeweils auf Autorenmarke und Thema beruht. Daran werden Marketingmaßnahmen geknüpft, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Manchmal werde auch bewusst mehr Energie aufgewandt, um neue, vielversprechende Autor*innen aufzubauen.

Am Anfang jeder Marketingstrategie stehen folgende Fragen: Wie kann der Titel im Markt positioniert werden? Welche Zielgruppe will man mit dem Titel erreichen und welche Kanäle können genutzt werden, um in der Zielgruppe eine gewisse Reichweite zu erlangen? Gezielte Maßnahmen können den nötigen Marketingdruck aufbauen, um die Erfolgschancen des Buchprojekts zu erhöhen.

Ein Beispiel aus dem Piper Verlag betrifft den in Schweden erfolgreichen Autor Niklas Natt och Dag mit seinem Kriminalroman 1793. Das Marketingteam des Verlags stand vor der Herausforderung, den Titel auf dem deutschen Markt zu etablieren. Dafür wurde eine Anzeige in einem bekannten Krimimagazin geschaltet. Gleichzeitig wurde auf Webseiten geworben, die von der großteils weiblichen Zielgruppe alltäglich aufgerufen werden, z. B. Spiegel Online und Chefkoch.

Doch nicht jeder Verlag verfügt über die finanziellen Mittel, um große Werbeanzeigen zu schalten. Verlegerin Julia Eisele geht das Thema Marketing daher ganz anders an.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die beste Werbung für ein gutes Buch ein gutes Buch ist.“

Sie setzt vor allem auf die Ausstattung und die Covergestaltung der Bücher. Jedes Cover ist einzigartig und wird mit viel Liebe zum Detail angefertigt. „Ich gebe nicht auf, bis ich das perfekte Cover habe. Manchmal braucht es eben auch 15 Versuche“, erzählte die Verlegerin. Leider bleibe nicht immer so viel Zeit für die Covergestaltung, sodass gerade in großen Verlagen nicht für jedes Buch das Optimum erreicht werden könne. Die Abteilungen seien häufig unterbesetzt. Bei der Coverpräsentation kommen Kollegen aus Vertrieb, Marketing und Lektorat zusammen. Deshalb gestalte sich eine Einigung oft schwierig und koste viel Zeit.

Teilweise beziehen Verlage auch die potenzielle Leserschaft mit ein, um die Covergestaltung zu testen, wie es im Rahmen des cbj Leseclubs passierte. Im geschilderten Beispiel bestanden die Kinder auf ein braunes statt ein weißes Einhorn, sodass der Verlag das geplante Cover änderte.

Egal ob großer oder kleiner Verlag, die sozialen Medien haben sich zu wichtigen Marketinginstrumenten entwickelt. Sonja Assfalg beobachtet, dass die Leser*innen im Bereich der Jugendliteratur vorwiegend über Instagram und Youtube zu erreichen sind – eine Anzeige in der Bravo sei nicht mehr so wirksam wie noch vor ein paar Jahren. Blogger*innen würden zu ernsthaften Kommunikationspartner*innen und die Leserschaft nehme in Communitys wie Lovelybooks oder Vorablesen eine Kritikerposition ein. Laut Böhmisch ginge es generell darum, klassische und neue Marketingkanäle zu verknüpfen und nicht in „Opposition“ zu sehen.

Doch egal wie gut sie geplant ist – eine Marketingkampagne führt nicht immer zu Erfolg. Sonja Assfalg erzählt, dass trotz großer Werbekampagnen und Anzeigen der erwartete Erfolg ausbleiben kann. So erging es dem Kinderbuch Mein Freund Button des Entertainers Ross Anthony: es konnten „nur“ 20 000 Exemplare verkauft werden – gemessen am Bekanntheitsgrad des Autors und den vielen ausverkauften Lesungen eine enttäuschende Zahl.

Aus Sicht der Buchhändlerin Heinen erweisen sich die klassischen Medien wie Rundfunk und Presse als ergiebige Kanäle. Im Vergleich zum direkten Umgang mit den Kunden könne die Medienwelt generell jedoch nicht mithalten, denn die persönliche Beratung wirke als bestes Marketinginstrument. Das Schaufenster als „Visitenkarte“ von Buchhandlungen werde daher mit viel Aufwand gestaltet, um die Menschen von der Straße in den Laden zu locken.

Doch Werbemaßnahmen zielen nicht nur auf die Endkundschaft ab. Zunächst müssen Verlage den Buchhandel von ihrem Programm überzeugen. Dies macht den Buchhandel zum „ersten und wichtigsten Kunden“, hebt Assfalg hervor. In diesem Zuge kommt das Podium auf die Vorschauen zu sprechen, die nun bei Random House auf digitale Versionen umgestellt werden, was bisher überwiegend positiv aufgenommen wurde. Begeisterung zeige sich angesichts der minimalistischen Unterlagen, die es stattdessen in gedruckter Form gibt. Denn was die meisten Händler wollten, seien „harte Fakten“. Laut Böhmisch sollte stets unter Betrachtung der Vorlieben der Buchhändler*innen das passende Material ausgewählt werden, um die Titel abnehmerfreundlich zu bewerben.

Dass die Beziehung zwischen Verlagen und Handel wichtig ist und tief wurzelt, wird in der Runde deutlich. Austausch und Vertrauen sehen alle als unabdingbare Elemente für erfolgreiche Zusammenarbeit an. Heinen äußert den Wunsch an die Verlage, zukünftig noch enger zu kooperieren und gerade in Bezug auf Marketing die Kommunikation zu stärken.

Der Grundstein dafür ist auf jeden Fall gelegt. Denn was alle Frauen auf der Bühne verbindet, stellt sich spätestens in der Endfragerunde heraus: Es sind der Spaß an ihrer Arbeit, die Mitgestaltung einer vielfältigen Branche und die Begeisterung, Bücher zu machen.

Abschließend nutzte das Publikum die Möglichkeit Fragen zu stellen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven konnten wir einen vielfältigen Einblick in die Welt des Buchmarketing gewinnen.

Fazit des Abends: Trotz sich verändernder Strukturen auf dem Buchmarkt soll der Blick aufs Haben statt auf die Verluste gerichtet werden, eine Krise gibt es schließlich immer. Übrigens: Den Buchhandel gegen Online-Riesen zu unterstützen – auch eine gute Idee!

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur

„Wie entsteht eigentlich ein Buch ? Einblick in die Werkstatt der Buchherstellung.“ – Die Herstellung im Verlag als „work in progress“.

Droemer Knaur

Bücher. Sie sind einfach da. Jeder von uns hat eins (oder hoffentlich mehr) zu Hause, jeder hat bestimmt bereits Bücher verschenkt und war in einem Buchladen oder in einer Bibliothek. Doch wer hat sich schon einmal überlegt, wie genau ein Buch produziert wird? Schließlich fliegen die Texte und Buchstaben nicht einfach auf Papier!

Gestern Abend waren wir bei Droemer & Knaur zu Gast und durften einen Blick hinter die Kulissen der Buchherstellung werfen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Herstellungsleiter Norbert Stengelin und seiner gesamten Abteilung, wurden verschiedene Büros für Themenworkshops geöffnet.Von Raum zu Raum erklärten uns die zuständigen Kolleg*innen die verschiedenen Teilbereiche der Abteilung und beantworteten offen alle Fragen. Taucht mit uns in eine Welt aus Papier, Buchstaben, Farben, Bildern und Zahlen!

 

Layout & Schrift

Ist ein Buchstabe gleich ein Buchstabe?

Aus Textverarbeitungsprogrammen wissen wir, dass es abertausende Schriftarten gibt. Wie entscheidet ein Verlag, welche Schrift er für welches Buch verwendet? Auch wenn das für manche banal erscheint, ist es eine wichtige Überlegung. Denn verschiedene Schriftarten und Schriftschnitte können die Wirkung des selben Textes verändern – sprich nicht jede Schrift ist für jeden Text geeignet. Stellt euch vor, ein Drama oder eine wissenschaftliche Abhandlung in einer verspielten Schrift zu lesen – passt irgendwie nicht, oder? So variieren die Schriftvorlagen gängiger Buchformate von Genre zu Genre. Nicht zu vergessen ist die darauf abgestimmte Gesamtgestaltung der Seite.
Übrigens darf ein Verlag nur die Schriftarten nutzen, für die er die Lizenzen erworben hat.

Schrift

 

Von Manuskript zu den Ausgaben

Innovatives „Datei-Sharing“

Das Manuskript liegt vor, das Lektorat hat den Inhalt abgesegnet. Trotzdem müssen noch einige Sachen verändert und angepasst werden. In der Korrektur wird nicht nur die Grammatik, sondern auch die Rechtschreibung und die Zeichensetzung genaustens unter die Lupe genommen. Jeder externe/interne Mitarbeiter, der an dem Manuskript arbeitet, hat eine eigene Datei, sodass es eine Herausforderung ist, alle Einzeldokumente in einem Enddokument – ohne das etwas verloren geht – zusammenzuführen. Um dem zu entgehen, hat Droemer Knaur einen cleveren Trick parat! Eine Online-Datei, worauf alle Mitarbeiter zugreifen können, ohne sich tausend Namen wie „xy_neu“, „xy_neuer“ und „xy_am_ superneuesten“ zu überlegen…

 

Einkauf

Was passiert eigentlich im Einkauf?

Auch wenn der Name es vermuten lässt, wird in dieser Abteilung nicht nur geshoppt. Es geht von der Produktanlage „Wie soll das Buch später aussehen“ über die Erstellung eines Terminplans – bis hin zur Vergabe der Aufträge und der Rechnungskontrolle. D.h es wird nicht nur kalkuliert, sondern auch viel kommuniziert! Denn es müssen sämtliche anfallende Kosten für die Produktion des Buches in den anderen Abteilungen und von externen Dienstleistern eingeholt werden. Nur so kann eine möglichst realistische Verlagskalkulation erstellt werden. Meist bleibt es nicht bei einer Kalkulation, sogar das kleinste Detail, wie z.B ein Leseband, kann alles umwerfen. Wenn das Buch ein Jahr auf den Ladentischen liegt, zeigt sich bei der Nachkalkulation, wie gut die Hersteller geschätzt und eingekauft haben.

Kalkulation

 

Bildredaktion

Do`s & Dont´s in der Bildredaktion

Nicht nur Bilderbücher enthalten Bilder! In fasst jedem Buch sind Fotos, Grafiken und Illustrationen unverzichtbar. Dabei spielt nicht nur die Qualität der Bilder eine große Rolle, sondern auch die Beachtung der Persönlichkeitsrechte sowie die Klärung der Bildrechte. Denn ein Bild bei Google runterzuladen oder aus privaten Facebookaccounts zu kopieren und abzudrucken ist zwar sicherlich einfach, bringt den Verlag aber logischerweise in Schwierigkeiten. Wofür sonst gibt es professionelle Fotografen und Bildagenturen? Das könnten vielleicht auch manche Autoren berücksichtigen, die ein Selfie als geeignetes Autorenbild ansehen 😉
Hierzu gab es eine bühnenreife Präsentation bei Dromer Knaur:

Bildredaktion

 

Cover & Veredelung

Wenn U1, U2 & U3 keine U-Bahnlinien sind

Die Coverproduktion besteht nicht nur daraus, ein geeignetes Cover-Bild zu finden, sondern ist für die Gestaltung und Formatierung aller Umschlagelemente zuständig. Die Umschlagseite 1 (U1) ist dabei die Buchvorderseite, die Umschlagseite 2 (U2) der Buchrücken und die Umschlagseite 3 (U3) die Rückseite. Darauf werden noch Textelemente wie Titel, Autorenname und Verlagslogo etc. angeordnet, damit es ein Buch wird, so wie wir es aus unseren Bücherregalen kennen. Manche Bücher werden zusätzlich veredelt, um die Handlung oder den Titel eines Buches zu unterstreichen. Z.B. glänzende Überschriften, raues Papier, Leineneinbände…

Layout

 

Druck & Weiterverarbeitung

Was ist die komplizierteste Farbe beim Druck?

Nun kommt der Schritt, in dem das Buch greifbar wird. Die Druckdatei ist gesetzt, die Auflagenhöhe bestimmt, das Layout gewählt und die Bildrechte eingeholt. Nachdem alle vorangehenden Schritte das Buch theoretisch umsetzbar machen lassen haben, kommen beim Druck alle Komponenten zusammen und runden das Projekt ab. Dabei spielt die Auswahl von Papier, Farbe, Druckmaschine und der Bindung eine große Rolle. Vor allem die Farbe kann in der gedruckten Version für einen kleinen Schreck sorgen. Die kritischste Nuance ist die Hautfarbe – die kann nämlich sehr grotesk wirken!

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Fazit:

Ein unvergesslicher Abend, bei dem die Zeit an den verschiedenen Stationen viel zu schnell vorbei ging! Wir bedanken uns sehr für die aufschlussreiche Veranstaltung, all die besonderen Eindrücke und natürlich die leckeren Snacks und ausgefallenen Getränke. Eine gelungene Fortsetzung zur Auftaktveranstaltung am Sonntag – und wir können gespannt sein, wie die „Woche der Münchner Verlage“ weiter geht!

Getränke

 

 

Die Woche der Münchner Verlage: Zu Besuch beim Carl Hanser Verlag

„Ich lass das jetzt so. Euphorie und Wahnsinn im Lektorat. Lageberichte“ – Ein Rückblick auf die Auftaktveranstaltung der WDMV 2019.

Das Lektorat – für viele Nachwuchskräfte der Buchbranche ein Traum, für viele andere ein großes Fragezeichen. „Was macht man denn da? Den ganzen Tag lesen?!“ … Diese oder so ähnliche Fragen wurden wohl schon den meisten Lektoren und Lektorinnen im Laufe ihrer Karriere gestellt. Und so ungern sie vielleicht zum wiederholten Mal darauf antworten, so lässt sich nicht leugnen, dass die Fragen durchaus ihre Berechtigung haben. Denn: Was macht man im Lektorat nun eigentlich? Liest man wirklich den ganzen Tag?

Zum Auftakt der diesjährigen Woche der Münchner Verlage haben sich gestern Abend fünf erfahrene Münchner Lektoren und Lektorinnen im Carl Hanser Verlag eingefunden, um allen Interessierten einen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Hierbei konnten sie nicht nur einige Vorurteile über ihren Job aus der Welt schaffen, sondern vor allem auch erzählen, was ihre Arbeit so einzigartig und besonders macht.


Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Verleger Jo Lendle zunächst die zahlreichen Gäste, die den Weg zum Hanser Literaturverlag gefunden hatten. Der Raum war gut gefüllt, jeder Platz war besetzt und die Gäste ließen sich sogar auf dem Boden nieder. Bei dem Verlagsgebäude handelt es sich um die ehemalige Privatvilla des Gründers Carl Hanser, der beschauliche Raum war einst das Schwimmbad der Familie.

„Niemand weiß, wie es in Verlagen aussieht. Das wollen wir ändern!“, erklärte Lendle die Idee hinter der Veranstaltungsreihe WDMV. Anschließend setzte er sich selbst auf den Fußboden und überließ seinen Kollegen das Wort.

Zu Gast waren Marion Kohler (Programmleiterin Literatur, Penguin Verlag), Martin Hielscher (Programmleiter Literatur, C.H.Beck Literatur), Günther Opitz (Lektor deutschsprachige Literatur, dtv Verlagsgesellschaft), Piero Salabè (Lektor internationale Literatur, Hanser Verlag) und Andrea Müller (Programmleiterin Unterhaltung, Piper Verlag). Moderiert wurde das Gespräch von Knut Cordsen (Bayerischer Rundfunk). Auf dessen erste Frage, ob der bittere Vorwurf, Lektoren seien nur „verhinderte Schriftsteller“, wahr sei, entgegnete Müller bloß lächelnd: „Es macht Spaß, dem Buch von jemand anderem auf die Welt zu helfen“. Selbst zum Schreiben berufen fühlte sich laut eigenen Aussagen keiner der fünf.

Danach drehte sich das Gespräch zunächst um den Arbeitsalltag im Lektorat. Gemütlich mit einer Tasse Tee im Sessel sitzen und acht Stunden lesen? Schön wär‘s! Der Verlagsalltag sei gut strukturiert, erklärte Kohler. Sitzungen müssten vorbereitet und abgehalten werden, Buchprojekte geplant, Marketingmaßnahmen entwickelt und Klappentexte geschrieben … Zeit zum Lesen bliebe so eigentlich nur nach Feierabend und am Wochenende.

Lesestoff in die Hände zu bekommen, scheint jedoch alles andere als ein Problem zu sein: Im Meer der Manuskripte das Passende zu finden, das sei laut Salabè die wahre Schwierigkeit – und seine Kollegen stimmen ihm zu:

„Das Problem ist nicht an Manuskripte zu kommen, das Problem ist, die Edelsteine zu finden“, so Müller.

Die erfahrenen Buchmenschen nahmen sich freundlicherweise immer wieder die Zeit, die Abläufe bei der Entstehung eines Buchs für alle Branchenexternen im Publikum ausführlich zu erklären: So gingen sie zum Beispiel auf den Weg des Manuskripts in den Verlag ein (hier herrschte die Meinung vor, dass der Weg über einen Literaturagenten als Vermittlerinstanz meist sinnvoller sei als das selbstständig eingesandte Manuskript an mehrere Verlage) und berichteten von missglückten Auktionen, bei denen ein anderer Verlag ein höheres Angebot gemacht hat und ein begehrtes Manuskript an ein fremdes Haus gegangen ist. 

In diesem Zuge erzählten die Anwesenden auch von möglichen Fehleinschätzungen: Auch wenn ihr Gespür für vielversprechende Texte die Lektoren und Lektorinnen auszeichnet, sind selbst die Erfahrensten nicht davor sicher, mit ihrer Einschätzung mal falsch zu liegen. „Jeder, der das länger macht, hat wahrscheinlich mal einen Bestseller abgelehnt“, so Müller. Und auch Erfolge lassen sich kaum planen:

„Sicher ist man nie, man kann nur seinem Bauchgefühl folgen“.

Und selbst wenn man dann alle Hürden bis zur Veröffentlichung überwunden hat, ist noch nichts gewonnen. Vertreter und Buchhändler müssen noch überzeugt werden – denn: „Man muss die Bücher auch in den Laden bekommen, sonst hat man schon verloren“ (Opitz). Und dann folgt auch schon die nächste Zitterpartie: Gefällt das Buch den Lesern? Wie fallen die Kritiken aus?

Trotz der Unsicherheiten und Schwierigkeiten, die mit neuen Buchprojekten häufig kommen, schienen die anwesenden Lektoren und Lektorinnen sehr glücklich mit ihrer Berufswahl zu sein. Neben ihren Ausführungen zu typischen Abläufen und möglichen Hürden kam das Gespräch immer wieder auf die besonderen, wertvollen Aufgaben und Momente der Arbeit zurück: Man sei auch dafür da, den Autor an die Idee eines Textes zu erinnern, sollte er diese mal aus den Augen verlieren. Man versuche, das Beste aus einem Werk herauszuholen, ohne dabei zu dominant aufzutreten. Man sei der „Schutzpatron“ des Werks, in manchen Fällen sogar ein enger Vertrauter für die Autoren. Dies kann ganz unterschiedliche Formen annehmen: Opitz erzählte von einem Kollegen, der sogar zum Sargträger eines Autors geworden sei, während Hielscher kürzlich darum gebeten wurde, ein Sky-Abo für einen Autor einzurichten, den er betreut. Dieser wollte die Champions League verfolgen.

Immer wieder betonten die fünf erfolgreichen Lektoren und Lektorinnen im Gespräch, wie wichtig die menschliche Komponente in ihrem Beruf sei … Wie entscheidend Fingerspitzengefühl, Respekt und Vertrauen für das Verhältnis zwischen Lektor und Autor. Die Nähe sei oft schön, doch auch anstrengend. Denn nicht nur Erfolge werden geteilt, sondern auch Misserfolge und Frust. Der Lektor tritt häufig als Betreuer auf. „In Guten wie in schlechten Zeiten“, sagte Hielscher dazu und das Publikum lachte.

Soweit es sich nach dem gestrigen Abend von unserer Seite aus beurteilen lässt, fasst dieser Ausdruck die Freuden und Tücken des Lektorats sehr treffend zusammen: Ein Auf und Ab der Gefühle! Oder, um es im Wortlaut des Veranstaltungsnamen zu sagen: „Euphorie und Wahnsinn im Lektorat“ …  

Es bleibt festzuhalten, dass die Auftaktveranstaltung der Woche der Münchner Verlage wirklich sehr gelungen ist! Wir hatten einen schönen Abend im Carl Hanser Verlag, haben dem Gespräch interessiert gelauscht und viel mitgenommen – vor allem viele schöne Zitate über die Bücherwelt und das Lektorat. Dass dem Publikum am Ende Zeit gegeben wurde, seine Fragen an die Lektoren und Lektorinnen zu richten, hat uns gut gefallen – ganz im Sinne der Idee von „Verlage besuchen“ und der WDMV. Nun wird hoffentlich keiner der gestern Anwesenden mehr fragen, ob Lektoren und Lektorinnen den ganzen Tag nur lesen! Wir bedanken uns bei den Mitwirkenden für die tolle Veranstaltung und beim Carl Hanser Verlag ganz besonders, auch für Brezeln und Wein. Wenn es so weitergeht, wird das eine super Woche!

Social Media Takeover – Woche der Münchner Verlage

Liebe Buchmenschen, macht euch in der kommenden Woche auf Einiges gefasst: die Social Media Kanäle der Munich Bookster werden vom Uni-Projektseminar zur „Woche der Münchner Verlage“ übernommen!

Was ist die Woche der Münchner Verlage?

Jedes Jahr im Frühling (3. bis 12. Mai 2019) öffnen Verlage in Deutschland und in der Schweiz unter dem Motto #verlagebesuchen ihre Türen und laden zu unterschiedlichen Veranstaltungen wie beispielsweise Lesungen, Verlagsführungen und Vorträge ein.
Im Rahmen dieser Aktion findet dieses Jahr vom 5. bis zum 10. Mai nun erstmals die Woche der Münchner Verlage statt, bei der an sechs Abenden jeweils ein anderer Münchner Verlag eine Veranstaltung organisiert und Einblicke in verschiedene Bereiche der Verlagsarbeit gewährt.
Aus erster Hand erfährt man anhand der unterschiedlichen Themenschwerpunkte Lektorat, Herstellung, Marketing, Lizenzabteilungen, Pressearbeit und Vertrieb, welchen Weg ein Buch von der ersten Idee bis zum Ladentisch durchläuft. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Verlagshäuser, Literaturkritiker und Buchhändler erzählen von ihrer Arbeit in der Buchbranche – und welche Besonderheiten dabei die vielfältige Verlagsstadt München zu bieten hat.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen findet ihr hier: https://verlagebesuchen.de/?s=woche+der+münchner+verlage&lang=en

Wieso Social Media Takeover?

Auf allen Social Media Kanälen der Munich Bookster (Blog, Instagram, Facebook und Twitter) werden die Teilnehmerinnen des Projektseminars in der nächsten Woche die sechs Veranstaltungen der Woche der Münchner Verlage begleiten und über diese berichten. Neben Blogposts zu den einzelnen Veranstaltungen versorgen wir Euch mit Fotos, Interviews, Instagram-Storys und Tweets – und vielleicht ist auch noch die ein oder andere Überraschung dabei …

Nach der Woche der Münchner Verlage melden sich die Munich Bookster dann mit einem ganz neuen Team zurück.

Wir wünschen euch eine spannende Woche mit vielen interessanten Geschichten, Eindrücken und Erlebnissen!


~ Munich Bookster Team & Projektseminar „Woche der Münchner Verlage“

Best-Of Munich Bookster WS 18/19

So langsam neigen sich die Semesterferien dem Ende zu und die alten Bookster müssen sich verabschieden…
Bevor aber ab übernächster Woche die neue Munich Bookster-Gruppe das Zepter übernimmt, möchten wir euch noch einmal in einem Best-Of unsere Highlights des Wintersemesters 2018/2019 zeigen. Weiterlesen

LBM19 Veranstaltung: Der Leser – Die Zukunft – Das Buch

Der Leser – Die Zukunft – Das Buch. Erkenntnisse und Auswirkungen für den Nachwuchs in der Buchbranche – Ein Rückblick

6 Millionen Buchkäufer hat die Buchbranche in den letzten Jahren verloren, KNV, der größte Zwischenbuchhändler des deutschen Buchhandels, ist insolvent gegangen und wenn man seinen Verwandten erzählt, dass man später in der Buchbranche arbeiten möchte, wird man mit skeptischen Blicken versehen und zweifelnd gefragt, ob die Branche denn überhaupt eine Zukunft habe.
Es sieht ganz so aus, als würden dem Buch finstere Zeiten bevorstehen… Weiterlesen