„You are leaving the amazone!“

Bücher kosten überall das gleiche. Wir wissen das, weil wir uns in unserem Studium mit Büchern beschäftigen, die Buchhändlerinnen und Buchhändler wissen das, weil sie die Bücher verkaufen und die Verlage wissen es natürlich sowieso. Aber wissen das all die Leserinnen und Leser da draußen die sich täglich ihren neuen Lesestoff besorgen?
Ich denke nicht, denn wenn sie das wüssten, wieso kaufen immer noch so viele von ihnen ihre Bücher bei Amazon. Die meisten Menschen haben eine Buchhandlung in ihrer Nähe oder in der Nähe ihrer Arbeit oder auf ihrem täglichen Weg dorthin. Dort können sie sich beraten lassen und bekommen Unterstützung in der Flut der jährlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Und wenn ein Buch einmal nicht vorrätig ist, kann es bis 17 Uhr bestellt werden und wartet am Folgetag schon ab Ladenöffnung.

Und trotzdem ist kaum jemandem bewusst, welche tatsächlichen Vorteile der Kauf im Einzelhandel um die Ecke hat, geschweige denn kennt die moralischen Gründe nicht bei Amazon zu bestellen. Einem Anbieter, der ständig aufgrund seiner schlechten Mitarbeiterbehandlung und dem Nicht-Zahlen von Steuern in der Presse ist.
Amazon betreibt aber einen riesigen Marketingaufwand, mit dem kleine Buchhandlungen nicht mithalten können. Oder doch?

Zumindest geben die Buchhändlerinnen und Buchhändler den Kampf gegen den amerikanischen Großkonzern nicht freiwillig auf und immer mehr Kampagnen, Bilder und Hashtags sollen die Leserinnen und Leser auf die Freude am Kauf in der Buchhandlung hinweisen.

Ein Vorreiter ist Thomas Felber, der Besitzer der Buchhandlung Lentner mit drei Filialen in und um München. An seiner Ladentür hängen regelmäßig Zettel mit einem Plädoyer für den Einzelhandel und die Vielfalt in der Stadt:

Amazon_1Er weist darauf hin, dass man auch in seiner kleinen Buchhandlung online bestellen kann und er erinnert an einen sehr wichtigen Punkt: Wie langweilige wäre die Münchner Innenstadt ohne die vielen Geschäfte? Die meisten Läden sind mittlerweile sowieso Ketten und zeugen nicht gerade von Vielfalt, aber immerhin gib es sie noch.
Dieser Zettel wechselte in den letzten Jahren hin und wieder, aber die Botschaft blieb gleich.

#supportyourlocalbookstore – ein Hashtag der auf Instagram gerade mal ca. 3000 Bilder betitelt. Immerhin findet man unter der Suche #localbookstore ca. 13000 Beiträge.
Ähnlich viral gehen die Sprüche des Diogenes Verlages, gedruckt auf Postkarten, Tüten und Plakate. Neben typischen Sätzen über die Liebe zum Lesen, positioniert sich der Verlag recht deutlich in der Debatte um Amazon mit der Aussage: „Sie müssen nicht zum Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt“

Ähnliche Ideen haben zwei Berliner Buchläden. Der eine verteilt zu jedem Kauf Sticker mit der Aufschrift „Nicht bei Amazon gekauft“, damit man die Botschaft auch verbreiten kann und ein anderer hat an seiner Tür stehen: „You are leaving the amazone“.

Das alles sind gute und kreative Ideen und auch bekannte Buchblogger, wie beispielsweise der „Kaffehaussitzer“ machen in ihren Posts deutlich, dass der Einzelhandel unterstützt und Amazon, besonders beim Kauf von Büchern, gemieden werden sollte.
(https://kaffeehaussitzer.de/amazon-warum-ich-dort-keine-buecher-kaufe/)

Aber all das funktioniert nur, wenn jeder für sich selbst darüber nachdenkt, auf welcher Seite er steht und welche Werte er vertritt. Überlegt euch das bei eurem nächsten Bücher-Kauf und behaltet dabei im Hinterkopf, was das Magazin BuchMarkt in einem Beitrag schreibt: „Amazon ist kein Gegner, der irgendwie noch im gleichen Boot sitzt, sondern ein gnadenloser Feind.“
Unterstützt den Einzelhandel, denn nur hier könnt ihr die Haptik der Bücher spüren, an den frisch gedruckten Seiten riechen und euch von der Buchhändlerin oder dem Buchhändler eures Vertrauens beraten lassen, was eure zukünftigen Lieblingsbücher werden.

#supportyourlocalbookstore


~ Elena

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